Archiv für den Monat Januar 2026

🌍 Blog 372 – Vom Reisen zum Austausch/ From Travel to Exchange


Ein Austausch ist mehr als nur Abenteuer – er verbindet Länder über Kontinente hinweg./An exchange is more than just an adventure – it connects countries across continents.


✨ Vom Radreisen zum Austausch/From Bicycle Travel to Cultural Exchange

Reisen kann verändern.
Es öffnet den Blick für Ungleichheiten, aber auch für Chancen, Begegnungen und Menschlichkeit.
Nach meiner Weltreise wusste ich: Ich wollte nicht einfach nur von meinen Erfahrungen erzählen – ich wollte etwas zurückgeben.

Travel can change you.
It opens your eyes to inequality, but also to opportunity, to human connection, and to compassion.
After my world trip, I knew I didn’t just want to talk about my experiences – I wanted to give something back.

Alles begann mit einem Vortrag des Vereins Suni e.V., der sich für den Austausch zwischen Namibia und Deutschland einsetzt.
Mich faszinierte besonders, dass es hier nicht um klassische Entwicklungszusammenarbeit ging – also nicht um „Hilfe von oben“, sondern um Partnerschaft auf Augenhöhe.

It all began with a presentation by Suni e.V., an organization promoting exchange between Namibia and Germany.
What fascinated me most was that this wasn’t about traditional development aid – not “help from above,” but rather partnership on equal footing.

Diese Philosophie überzeugte mich sofort.
Maury und ich wurden Mitglieder – und schon bald ergab sich die Gelegenheit, aktiv zu werden.

This philosophy convinced me right away.
Maury and I became members, and soon we had the opportunity to get involved ourselves.


🌊 Ein Projekt nimmt Fahrt auf/The Project Sets Sail

Wir erfuhren per E-Mail, dass für ein deutsch-namibisches Meeresschutzprojekt die deutschen Teilnehmer abgesprungen waren.
Ohne zu zögern boten wir uns an, das Projekt mit zu übernehmen, und bewarben uns für einen internationalen Workshop in Kigali, Ruanda.

We learned via email that a German–Namibian marine protection project had lost its German participations.
Without hesitation, we volunteered to step in and applied for an international workshop in Kigali, Rwanda.

In diesem fünftägigen Workshop trafen wir auf engagierte junge Menschen aus ganz Afrika und Europa.
Gemeinsam lernten wir, wie nachhaltige Projekte geplant, organisiert und umgesetzt werden können.

During the five-day workshop, we met motivated young people from all over Africa and Europe.
Together, we learned how to plan, organize, and implement sustainable projects.

Unsere Projektidee wurde angenommen!
Wir konnten sie in Kigali vorstellen und bekamen wertvolle Unterstützung, um sie weiterzuentwickeln.

Our project idea was accepted!
We presented it in Kigali and received valuable guidance to develop it further.


Eindrücke aus Ruanda/Impressions from Rwanda

Nach dem Workshop verlängerten Maury und ich unseren Aufenthalt auf eigene Kosten, um Ruanda zu bereisen.
Wir fuhren mit einem Mietwagen quer durchs Land – vom Kivu-See bis zum Akagera-Nationalpark.

After the workshop, Maury and I extended our stay to explore Rwanda.
We rented a car and drove across the country – from Lake Kivu to the Akagera National Park.

Ruanda hat nicht nur beeindruckende Natur, sondern auch eine schwere, bewegte Geschichte.
Die Wurzeln des Leids liegen im Rassenwahn der Kolonialzeit, in der willkürliche Grenzen und Machtstrukturen geschaffen wurden.
Die Spaltung in Hutu und Tutsi, Bevorzugung, Missgunst und Hass führten schließlich zum unvorstellbar grausamen Völkermord von 1994.
Innerhalb von nur 100 Tagen wurden zwischen 800 000 und 1 Million Menschen ermordet – meist Angehörige der Tutsi-Bevölkerung.
Ganz normale Nachbarn wurden zu Tätern, Familien ausgelöscht, Kinder, Frauen und Männer grausam mit Macheten getötet.

Rwanda is not only rich in nature but also carries a heavy, painful history.
Its roots lie in the racial ideologies of colonial times, when arbitrary divisions and power structures were created.
The separation of Hutu and Tutsi, favoritism, resentment, and hate eventually culminated in the unimaginable genocide of 1994.
Within only 100 days, between 800 000 and 1 million people were murdered — most of them Tutsi.
Ordinary neighbors became killers; families were destroyed; men, women, and children were brutally slaughtered.

Heute erinnern zahlreiche Gedenkstätten an die Verbrechen, darunter das Kigali Genocide Memorial – ein Ort des Lernens und Mahnens.
Dort erfährt man nicht nur über die Tragödie Ruandas, sondern auch über andere Genozide weltweit, deren Ursachen sich erschreckend ähneln.
Das Ziel: Wissen weitergeben, um jede künftige Wiederholung solcher Gräueltaten zu verhindern.

Today, many memorial sites honor the victims, including the Kigali Genocide Memorial — a place of education and remembrance.
There you learn not only about Rwanda’s tragedy but also about genocides worldwide whose patterns are hauntingly similar.
The goal is clear: to educate, so that such atrocities will never happen again.

Besonders beeindruckt hat mich, wie Ruanda gelernt hat, mit dieser Last umzugehen.
Community Gerichte, die auf Wiedergutmachung statt Rache setzten, beurteilten tausende Nebentäter.
Man spürt, dass sich das Land bemüht, die Spirale der Gewalt zu durchbrechen – nicht zu vergessen, aber zu verzeihen.

What impressed me most was how Rwanda has learned to bear this burden.
Community courts, focused on reconciliation instead of revenge, tried thousands of minor perpetrators.
You can feel that the nation strives to break the cycle of violence — not to forget, but to forgive.

Trotz bestehender Herausforderungen hat Ruanda es geschafft, Frieden, Sicherheit und Sauberkeit auf einem beeindruckenden Niveau zu schaffen.
Überall spürt man Aufbruchsstimmung und den Willen, aus der Vergangenheit zu lernen.

Despite ongoing challenges, Rwanda has managed to build remarkable peace, safety, and cleanliness.
Everywhere you sense a spirit of renewal and a genuine determination to learn from the past.


💡 Team Works !– Der nächste Schritt/Team Works! – The Next Step

Während des Workshops hörte ich zum ersten Mal vom Programm Team Works, das von der Afrikanisch-Deutschen Jugendinitiative (AGYO) unterstützt wird.

During the workshop, I first heard about Team Works, a program supported by the African-German Youth Initiative (AGYO).

Es richtet sich an junge Fachkräfte zwischen 18 und 30 Jahren, die praktische Berufserfahrungen in einem afrikanischen oder deutschen Betrieb austauschen möchten.
Da ich selbst Handwerker bin und es nur wenige deutsche Bewerber aus diesem Bereich gab, standen meine Chancen gut.

It targets young professionals aged 18 to 30 who wish to gain hands-on experience in African or German workplaces.
As an electrician — and with few German applicants in this field — my chances were surprisingly good.

Obwohl ich schon 30 war, wagte ich die Bewerbung – wohl wissend, dass es nur klappen konnte, wenn alles sehr schnell ging.
Und tatsächlich, wenige Wochen nach unserer Rückkehr nach Deutschland kam die Nachricht:
Ich wurde angenommen! 🎉

Even though I was already 30, I applied anyway — knowing it would only work if everything moved quickly.
And indeed, just a few weeks after returning to Germany, the message arrived:
I had been accepted! 🎉


🩺 Uganda wartet/Uganda Awaits

Mein Einsatzort: das St. Kizito Hospital in Matany, Uganda.
Ein Krankenhaus in einem abgelegenen, sehr armen Teil des Landes – betrieben von einem katholischen Orden unter der Leitung eines deutschen Paters.

My placement: the St. Kizito Hospital in Matany, Uganda — a small hospital in a remote and very poor region, run by a Catholic order led by a German priest.

Das Krankenhaus kämpft mit Problemen in der Stromversorgung, und ich darf dabei helfen, nachhaltige technische Lösungen zu entwickeln und umzusetzen.

The hospital struggles with unstable electricity, and I’ll be helping to design and implement sustainable technical solutions.

Für mich ist das nicht einfach nur ein weiteres Abenteuer, sondern eine Möglichkeit, meine Fähigkeiten als Elektriker sinnvoll einzusetzen – kombiniert mit den Erfahrungen meiner Weltreise.

For me, this isn’t just another adventure.
It’s a chance to combine my skills as an electrician with the insights I gained from traveling the world and to put them to good use.


❤️ Warum das wichtig ist/Why It Matters

Reisen war für mich nie Selbstzweck.
Es war immer ein Weg, die Welt zu verstehen – und etwas zurückzugeben.
Mit dem Projekt in Uganda schließt sich für mich ein Kreis:
Vom Fahrradreisenden zum kulturellen Brückenbauer.

Travel was never an end in itself for me.
It was always a way to understand the world — and to give something back.
With the project in Uganda, the circle closes:
From world cyclist to cultural bridge-builder.

Ich bin dankbar für alles, was daraus entstanden ist – und hoffe, dass meine Geschichte andere ermutigt, über den eigenen Tellerrand hinauszublicken.

I’m grateful for everything that has come from it — and I hope my story inspires others to look beyond their own horizons.


➡️ Fortsetzung folgt:
„Mein Einsatz in Uganda – Leben und Arbeiten im St. Kizito Hospital“ 🩺⚡
To be continued:
“My Assignment in Uganda – Life and Work at St. Kizito Hospital.”

🚴‍♂️ Blog 371 – Mein Bruder auf seiner eigenen Fahrradreise /My Brother on His Own Bicycle Journey

Mut, Glück und Brüderlichkeit auf zwei Rädern. /Courage, Luck, and Brotherhood on Two Wheels


🌍 Vom Mitfiebern zum selber reisen /From Following to Riding

Während meiner Weltreise sagte mein Bruder Florio oft, wie sehr ihn meine Erlebnisse inspirierten.
Er ist Heilerziehungspfleger, ein Mensch mit großem Herzen, der sich immer für Gerechtigkeit und für die Schwächsten in der Gesellschaft einsetzt.

During my world tour, my brother Florio often told me how much my stories inspired him.
He works as a social care worker – a kind and empathetic person who always stands up for others.

Viele Jahre lang verfolgte er meine Route, sah meine Fotos, las meine Blogeinträge – und irgendwann war klar:
Er wollte seine eigene Fahrradreise machen.

For years, he followed my route, looked at my photos, read every blog post – and eventually it became clear:
He wanted to go on his own bicycle journey.


Ein Ziel mit Herz /A Goal from the Heart

Florio hatte noch nie die Familie von Maury in Nicaragua getroffen, wollte sie aber unbedingt kennenlernen.
Und so fasste er einen mutigen Plan:
Er wollte mit dem Fahrrad von Deutschland nach Nicaragua reisen.

Florio had never met Maury’s family in Nicaragua, but he wanted to.
So he came up with a bold idea:
He would cycle from Germany to Nicaragua.

Im Mai 2024 startete er – voll motiviert, neugierig und mit einer Portion Abenteuerlust.
Schon bald erlebte er die gleiche Mischung aus Freiheit, Erschöpfung, Euphorie und Begegnungen, die auch meine Reise geprägt hatte.

In May 2024, he set off – full of energy, curiosity, and adventure spirit.
Soon he experienced that familiar mix of freedom, exhaustion, joy, and encounters that had once shaped my own journey.


💥 Ein schwerer Unfall / A Serious Accident

Im Frühsommer 2025 kam der Schock: Florio wurde von einem Auto erfasst.
Er hatte großes Glück, den Unfall überhaupt zu überleben.
Sein Fahrrad war völlig zerstört, ein Großteil seiner Ausrüstung unbrauchbar – und er musste operiert werden.

In early summer 2025, tragedy struck: Florio was hit by a car.
He was lucky to survive.
His bike was destroyed, most of his gear gone, and he needed surgery.

Diese Nachricht traf mich tief und voller Sorge.
Doch Florio gab nicht auf.

The news hit me hard. I was was deeply worried.
Still, Florio refused to give up.

Zwei Monate später, nach seiner Genesung, stand er wieder auf dem Rad – mit einem neuen Fahrrad, neuen Kräften und ungebrochener Entschlossenheit.

Two months later, after recovering, he got back on his bike — with a new setup and renewed determination.


💪 Durchhalten, Vertrauen, Weitermachen /Perseverance and Trust to continue

Ich bewundere seinen Mut und seine Willenskraft.
Er hat gelernt, dass Rückschläge Teil jeder Reise sind – auf einer großen Reise wie im Leben. im wörtlichen wie im übertragenen Sinn.

I admire his courage and resilience.
He’s learned what every long-term traveler eventually understands:
setbacks are part of the journey — both on the road and in life.

Natürlich mache ich mir Sorgen um ihn. Aber ich weiß auch:
Das, was er da erlebt, kann ihm niemand mehr nehmen.
Diese Begegnungen, diese Herausforderungen – sie verändern einen für immer.

Of course, I worry about him. But I also know:
What he’s living now, no one can take away.
The experiences, the people, the challenges — they change you forever.

Wie ich damals, machte auch Florio die Erfahrung, dass die Welt im Kern freundlich ist.
Dass Menschen einem weiterhelfen – selbst, wenn man sich kaum verständigen kann.

Just like I did years ago, Florio is discovering that the world is, at its core, kind.
That people help you— even when they barely speak the same language.


✨ Inspiration

Was mich besonders freut:
Immer wieder schreiben mir Menschen, dass meine Reise sie inspiriert hat, selbst loszufahren oder eigene Abenteuer zu wagen.
Aber wenn es der eigene Bruder ist, der diesen Weg geht – dann ist das etwas ganz Besonderes.

What makes me especially happy:
Every now and then, people write to me saying that my journey inspired them to start their own adventure.
But when it’s your own brother who follows that call — that’s truly something special.

Ich bin stolz auf Florio, dankbar, dass er wieder gesund ist, und gespannt, was er noch alles erleben wird.

I’m proud of Florio, grateful that he’s safe, and excited to see where his path will lead him next.

Wenn ihr seine Reise verfolgen wollt, schaut gerne auf seinem Blog vorbei:
/If you’d like to follow his journey, you can find it here:
👉
https://freedomofmovement.me/


➡️ Im nächsten Blog:
Vom Reisen zum Austausch – Ruanda und Uganda🌍🤝

➡️ Next Blog:
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