🌍 Jenseits der Krankenhausmauern/ Beyond the Hospital Walls
Das Leben außerhalb des Krankenhausgeländes erlebte ich als sehr hart.
Hunger, Unterernährung, Gewalt und vermeidbare Krankheiten prägen den Alltag vieler Menschen hier.
Immer wieder wurde mir bewusst, wie privilegiert selbst einfache Lebensumstände in Europa sind.
Life outside the hospital grounds was extremely tough.
Hunger, malnutrition, violence, and preventable diseases shape the everyday lives of many people here.
Time and again, I became aware of how privileged even the simplest living conditions in Europe truly are.
An einem Wochenende unternahmen wir gemeinsam mit einigen Ärztinnen und Kollegen eine Wanderung auf einen Berg.
Unterwegs kamen wir durch kleine Dörfer, in denen die meisten Häuser aus Lehm gebaut waren – ohne Strom, fließendes Wasser oder Toiletten.
Wir sahen Kinder mit extrem dünnen Armen und Beinen, dafür mit aufgeblähten Bäuchen durch Eiweißmangel.
Andere schleppten schwere Säcke Holzkohle den Berg hinunter, um etwas Geld zu verdienen.
One weekend, together with some doctors and colleagues, we hiked up a mountain.
On the way, we passed through small villages where most houses were made of clay – without electricity, running water, or toilets.
We saw children with extremely thin arms and legs, their bellies swollen from protein deficiency.
Others carried heavy sacks of charcoal down the mountain to earn a little money.
Ein Junge lief fast die ganze Strecke hinter uns her, in der Hoffnung, etwas zu essen zu bekommen.
Eine Familie sprach uns an und bat, ob die Ärztinnen unserer Wandergruppe ihr behindertes Kind untersuchen könnten.
Leider konnten wir nicht viel tun – die Wege zum Krankenhaus sind weit, hier war unser Krankenhaus nicht zuständig, und selbst die stark vergünstigte Behandlung ist für viele unbezahlbar.
A boy followed us almost the entire way, hoping for something to eat.
A family stopped us, asking if the doctors in our group could examine their disabled child.
Sadly, we couldn’t do much – the roads to the hospital are long, our hospital wasn’t responsible for that area, and even the heavily reduced treatment costs are unaffordable for many.
Manche Menschen sterben, weil sie keine fünf Euro für Medikamente oder den Transport ins Krankenhaus haben.
Das ist die traurige Realität.
Some people die simply because they don’t have five euros for medicine or transport to the hospital.
That’s the heartbreaking reality.
🔄 Der Kreislauf der Armut/The Cycle of Poverty
Hier wird deutlich, wie eng Armut, Bildung und Gesundheit miteinander verbunden sind.
Fehlende Bildung und kaum soziale Absicherung führen dazu, dass viele Familien sehr viele Kinder haben – kulturell bedingt, aber auch in der Hoffnung, dass wenigstens einige überleben und später helfen können.
Doch durch die vielen Kinder fehlt wiederum das Geld für Schulbildung, und der Kreislauf beginnt von vorn.
Here it becomes clear how closely poverty, education, and health are connected.
A lack of education and almost no social safety nets lead many families to have many children – culturally influenced, but also in the hope that at least some will survive and support them later.
But because of the many children, there is no money left for schooling, and the cycle starts all over again.
Es gibt viele gute Hilfsprojekte, aber nicht alle wirken nachhaltig.
Manche greifen zu kurz oder haben unbeabsichtigte Nebenwirkungen.
Die Probleme hier sind komplex – und sie lassen sich nicht mit schnellen Lösungen beheben.
There are many good aid projects, but not all of them are sustainable.
Some fall short or have unintended side effects.
The problems here are complex – and they cannot be solved with quick fixes.
Nichts zu tun ist jedoch keine Option.
Gerade wir Europäer tragen historische Verantwortung – viele der heutigen Ungleichheiten wurzeln in der Kolonialzeit.
Das anzuerkennen, geht über Schuld und Wiedergutmachung hinaus und ist ein ehrlicher Schritt hin zu einem fairen Miteinander.
Doing nothing, however, is not an option.
We Europeans, in particular, bear a historical responsibility – many of today’s inequalities have their roots in colonial times.
Acknowledging this goes beyond guilt or reparation; it is an honest step toward genuine fairness and partnership.
Eines möchte ich noch hinzufügen: Natürlich gibt es in Uganda – wie in jedem Land – ganz unterschiedliche Lebenswirklichkeiten.
Nicht jeder ist arm, leidet Hunger oder ist hilfsbedürftig.
Es gibt selbstverständlich auch wohlhabende Menschen, die jedoch meist in der Hauptstadt Kampala leben.
In der Region, in der sich das Krankenhaus befindet, ist die Situation der meisten Menschen jedoch besorgniserregend.
One more thing I’d like to add: Of course, as in any country, Uganda has many different realities.
Not everyone is poor, hungry, or in need of help.
There are also wealthy people, though most live in the capital, Kampala.
But in the region where the hospital is located, the situation for most people is deeply concerning.
⚰️ Der Friedhof von Matany/The Cemetery of Matany
Eines Tages fragte ich mich, wo die Patienten beerdigt werden, die im Krankenhaus sterben und deren Familien die bisherige Behandlung der Verstorbenen nicht bezahlen können – und sie deshalb einfach zurücklassen.
Man zeigte mir den Friedhof – ein stilles, karges Stück Land hinter dem Krankenhaus.
One day, I wondered where the patients who die in the hospital are buried, especially those whose families cannot pay for the treatment and therefore leave their deceased behind.
Someone showed me the cemetery – a quiet, barren piece of land behind the hospital.
Auf den ersten Blick war kaum etwas zu erkennen.
Keine Grabsteine, keine Namen – nur kleine, längliche Erdhügel.
Sechs davon frisch, andere schon eingesunken.
Ich stand da und versuchte mir vorzustellen, wie viele Menschen hier begraben liegen müssen – ohne, dass jemand weiß, wer sie waren.
At first glance, there was hardly anything to see.
No headstones, no names – only small, elongated mounds of earth.
Six of them fresh, others already sunken.
I stood there, trying to imagine how many people must be buried here – without anyone knowing who they were.
Viele sterben an Tuberkulose oder Malaria – Krankheiten, die heilbar oder behandelbar wären, wenn Medikamente, sauberes Wasser und eine ausreichende, abwechslungsreiche Ernährung selbstverständlich wären.
Doch hier sind sie es nicht.
Many die from tuberculosis or malaria – diseases that could be cured or treated if medicine, clean water, and adequate, varied nutrition were taken for granted.
But here, they are not.
🕯️ Zwischen Schmerz und Hoffnung/ Between Pain and Hope
Trotz all der Not ist Matany kein hoffnungsloser Ort.
Ich sah unermüdliche Ärzte, Schwestern und Techniker, die Tag und Nacht im Einsatz sind.
Ich sah viel Hoffnung und Optimismus bei allen Beteiligten.
Nie sah ich einen Patienten, der sich über die manchmal schwierigen Bedingungen beschwerte.
Was bleibt einem auch anderes übrig – entweder man verzweifelt, oder man nimmt das Schicksal an und versucht, den einzig wirklich gangbaren Weg zu gehen: weiterzuleben.
Despite all the hardship, Matany is not a hopeless place.
I saw tireless doctors, nurses, and technicians working day and night.
I saw hope and optimism in everyone involved.
Never did I see a patient complain about the sometimes difficult conditions.
What else can one do? Either despair – or accept fate and take the only real path forward: to keep living.
🔋 Blick nach vorn/Looking Ahead
Das Krankenhaus plant große Verbesserungen:
Eine neue Operationsstation mit moderner Ausstattung, eine erweiterte Solaranlage und ein großer Batteriespeicher sollen künftig Stromausfälle verhindern.
Auch Überspannungsschutz und Stromverteilungen sollen modernisiert werden.
The hospital is planning major improvements:
A new surgical unit with modern equipment, an expanded solar system, and a large battery bank to prevent future power outages.
They also plan to modernize surge protection and electrical distribution systems.
Doch all das kostet Geld – weit mehr, als das Krankenhaus selbst aufbringen kann.
Neben kirchlicher Unterstützung sind Spenden entscheidend, um die Versorgung der Menschen langfristig zu sichern.
But all this costs money – far more than the hospital can afford on its own.
Alongside church support, donations are crucial to secure healthcare for the people in the long term.
Wer helfen oder sich informieren möchte, findet hier die offiziellen Seiten:
👉 matanyhospital.org
👉 Betterplace-Unterstützerkreis
If you’d like to help or learn more, visit:
👉 matanyhospital.org
👉 Betterplace Support Circle*

➡️ Im nächsten Teil:
„Abschied aus Uganda und Neubeginn in Deutschland“
Next up:
“Farewell to Uganda and a New Beginning in Germany” 🌍





