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Über filboscycletravel

Ich bin momentan auf einer Solo-Fahrradtour rund um die Welt. Im April 2016 bin ich in Deutschland mit dem Ziel Australien gestartet. Nach 24.000 km, sowie unzählbaren als auch unglaublichen Abenteuern, bin ich in Australien angekommen. Doch meine Reise ist hier nicht zu Ende. Ich habe mir vorgenommen mit meinem Fahrrad weiter nach Neuseeland und von Süd- nach Nordamerika zu fahren. Folgt mir in Deutsch und Englisch. Die welt ist großartig und voll von Abenteuern! Ich hoffe euch gefällt mein Blog ;-) Filbo I`m on a solo arround the world bicycle tour. I started April 2016 in Germany with the destination Australia. After 24,000 km and countless of amazing experince I reached Australia. Now I desided to extend my jorney and to continue my bicycle adventure to New Zealand and south and north America. Follow my journey in German and English. The world is great and full of adventure! I hope you like my Blog! :) Filbo

🌍 Blog 377 – Austausch in beide Richtungen: Matthews Besuch in Deutschland/ Exchange in Both Directions – Matthew’s Visit to Germany

🔄 Vom Süden in den Norden/ From the South to the North

Wie ich bereits berichtet habe, hatten sich zwei meiner Kollegen aus Uganda auf einen Austausch in Deutschland beworben:
Zum einen der Biologische Ingenieur Günther, und zum anderen Matthew, ein Elektriker.
Und tatsächlich – die Organisationen SES und AGYO nahmen beide Bewerbungen an und kontaktierten mich, um bei der Suche nach passenden Einsatzstellen zu helfen.

As I mentioned earlier, two of my colleagues from Uganda applied for an exchange program in Germany: one was Günther, a biomedical engineer, and the other was Matthew, an electrician.
Indeed, the organizations SES and AGYO accepted both applications and reached out to me to help find suitable host institutions.

Daraufhin kontaktierte ich das örtliche Krankenhaus in Prüm für Günther und fragte bei meinem Chef nach einer Möglichkeit für Matthew in meiner Firma.
Glücklicherweise waren sowohl das Krankenhaus als auch mein Arbeitgeber offen für diese Idee und stimmten einem möglichen Austausch zu.

I contacted the local hospital in Prüm for Günther and asked my boss whether there might be an opportunity for Matthew at my company.
Fortunately, both the hospital and my employer were open to the idea and agreed to support an exchange.

Kurz darauf stellte sich heraus, dass Günther bereits ein Stipendium in Italien erhalten hatte – eine großartige Chance, die er natürlich vorzog.
Für Matthew jedoch blieb der Austausch in Aussicht.
Nach einem kurzen Kennenlernen zwischen allen Beteiligten begann die Organisation seines Visums, bei der der SES ihn unterstützte.

Shortly after, it turned out that Günther had already been awarded a scholarship in Italy – a great opportunity he understandably chose to pursue.
For Matthew, however, the exchange remained possible.
After a brief introduction between all parties, the visa process began, with SES assisting him in the application.


🛫 Ein langer Weg nach Europa/ A Long Journey to Europe

Leider kam es dabei zu Verzögerungen, und der erste Visumsantrag wurde von der deutschen Botschaft abgelehnt.
Der geplante Zeitraum drohte zu verstreichen, und das Projekt stand kurz vor dem Aus.
Doch Matthew gab nicht auf.
In Eigeninitiative stellte er einen zweiten Antrag – und diesmal mit Erfolg!

Unfortunately, delays occurred, and the first visa application was rejected by the German embassy. The planned timeframe was running out, and the exchange was in danger of being cancelled.
But Matthew didn’t give up.
On his own initiative, he submitted a second application – and this time, it was approved!

Kurz darauf organisierte der SES den nächstmöglichen Flug nach Luxemburg – dem nächstgelegenen Flughafen von Prüm.
Am 09. Mai 2025 holte ich Matthew dort persönlich ab.

Soon after, SES organized the next available flight to Luxembourg – the closest airport to Prüm. On May 9, 2025, I personally picked Matthew up there.

Später erzählte Matthew lachend, dass er, als wir aus dem Flughafen kamen, zunächst dachte, wir würden in eine weitere riesige, klimatisierte Halle gehen – so kühl war es für ihn.
Er hatte sein ganzes Leben in den Tropen verbracht und noch nie solche Temperaturen erlebt.
Als er nach oben blickte und nur den Himmel sah, musste er lachen.

Later, Matthew told me with a smile that when we stepped out of the airport, he thought we were walking into another huge, air-conditioned hall – it was that cold for him.
Having lived his whole life in the tropics, he had never experienced such low temperatures.
When he looked up and saw only the sky, he laughed out loud.


🎂 Ein Geburtstag zum Einleben/ A Birthday to Settle In

Nur einen Tag später feierten wir meinen 32. Geburtstag.
Während der Feier lernte Matthew auch zum ersten Mal seine neuen Kollegen Torsten und Tamara kennen.
Am darauffolgenden Montag begann sein erster Arbeitstag.

Just one day later, we celebrated my 32nd birthday.
During the party, Matthew met his new colleagues, Torsten and Tamara, for the first time.
The following Monday marked his first day at work.

Frühmorgens gab es eine kurze Einsatzbesprechung, und dann ging es direkt auf die Baustelle.
Ich glaube, das war für Matthew ein kleiner Kulturschock:
Gerade am Montagmorgen gibt es in Deutschland kaum Smalltalk – nur eine schnelle Besprechung, dann wird gearbeitet.
Ganz anders als in Uganda.

Early in the morning, there was a short briefing, and then we headed straight to the construction site.
I think that was a small culture shock for Matthew:
In Germany, especially on Monday mornings, there’s hardly any small talk – just a quick meeting and then straight to work. Very different from Uganda.


🤝 Zwischen Arbeit und Freizeit/Between Work and Freetime

Generell wurde Matthew sehr gut aufgenommen, auch wenn es anfangs etwas dauerte,
bis sich alle Kollegen trauten, auf Englisch mit ihm zu sprechen.
Ich fand es schön, dass meine Firma mir Zeit gab, ihm alles zu zeigen und viele Dinge zu erklären.
Nach wenigen Wochen war Matthew ein fester Teil des Teams – fast wie ein Familienmitglied.

Overall, Matthew was very warmly welcomed, although it took some time before everyone felt confident enough to speak English with him.
I appreciated that my company gave me the time to show him around and explain many things.
After just a few weeks, Matthew had become a solid part of the team – almost like a family member.

Neben der Arbeit unternahmen wir auch gemeinsame Ausflüge.
Wir besuchten ein englisches Theaterstück in Luxemburg-Stadt und den Kölner Zoo.
Dort sah Matthew zum ersten Mal Tiere wie Elefanten, Zebras, Giraffen oder Löwen – Tiere, die eigentlich in seiner Heimat Uganda heimisch sind.

Outside of work, we also took trips together.
We attended an English theater play in Luxembourg City and visited the Cologne Zoo.
There, Matthew saw elephants, zebras, giraffes, and lions for the first time – animals that are actually native to his home country, Uganda.

Er sagte mir, dass es für ihn fast ironisch sei, diese Tiere nun ausgerechnet in Deutschland zu sehen, wo sie gar nicht heimisch sind.
In seiner Region würden viele größere Tiere wegen Armut und Hunger gejagt.
Wildtiere gäbe es dort fast nur noch in Schutzgebieten, deren Besuch für normale Menschen unerschwinglich ist.

He told me it felt almost ironic to see these animals here in Germany, where they aren’t native at all.
In his region, many large animals are hunted due to poverty and hunger.
Wildlife can mostly only be seen in nature reserves, which are far too expensive for ordinary people to visit.

Besonders in Erinnerung blieb uns auch der Ausflug nach Duisburg,
bei dem wir Wolle besuchten und gemeinsam das Stahlwerk – Wolles früheren Arbeitgeber – besichtigten.
Gigantisch, wie dort Stahl produziert wird, welcher technische Aufwand dahintersteckt und bei welchen Temperaturen gearbeitet wird.
Diesen Eindruck kann kaum jemand gewinnen – öffentliche Führungen gibt es dort schon seit Jahren nicht mehr.

Another special memory was our trip to Duisburg,
where we visited Wolle and toured the steel plant – his former workplace.
It was fascinating to see how steel is produced, the enormous technical effort behind it, and the extreme temperatures involved.
It’s an experience few people ever get – public tours have not been offered there for years.

Ein weiterer spannender Einblick bot sich uns im Prümer Krankenhaus.
Monique von der Mitarbeitervertretung und Stefan von der Haustechnik führten uns einen Tag lang durch das Gebäude
und erklärten dabei alle technischen Details ausführlich.
So wurden die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen dem Gesundheitswesen
und der Krankenhaustechnik in Matany (Uganda) und Prüm (Deutschland) eindrucksvoll sichtbar.

We also gained another fascinating insight at the hospital in Prüm.
Monique from the staff council and Stefan from the technical department guided us through the hospital for a day,
explaining all the technical details in depth.
It was an impressive way to see both the similarities and the differences between the healthcare systems and hospital technology in Matany (Uganda) and Prüm (Germany)


🎉 Matthews erster Geburtstagfeier/ Matthew’s First Birthdaypaty

Ein besonderer Moment, an den ich mich besonders gerne zurückerinnere,
war Matthews erste Geburtstagsfeier seines Lebens.
Er erzählte uns, dass es in seinem Umfeld nicht üblich sei, Geburtstage zu feiern.
Umso schöner war es, dass wir seinen allerersten Geburtstag gemeinsam feiern konnten.

A special moment I remember fondly was Matthew’s first-ever birthday celebration.
He told us that celebrating birthdays is not common in his community.
All the more special was that we were able to celebrate his very first birthday together.


🌍 Begegnung auf Augenhöhe/Encounter on Equal Terms

Vieles war für Matthew neu und ganz anders.
Manches bestimmt auch fremd oder anfangs überfordernd – aber er machte immer das Beste daraus und blieb offen für alles.
Er brachte Wärme, Humor und einen besonderen Teamgeist mit, der uns allen guttat.

Many things were new and very different for Matthew.
Some may have felt strange or overwhelming at first – but he always made the best of it and stayed open to everything.
He brought warmth, humor, and a special team spirit that enriched us all.

Insgesamt war der Austausch für alle Beteiligten ein voller Erfolg.
Meine Firma war mit Matthew sehr zufrieden, und auch er konnte viele Eindrücke und Erfahrungen sammeln, die er zurück in Uganda direkt anwenden möchte.
Alle Beteiligten hatten voneinander gelernt – fachlich, menschlich und kulturell.

Overall, the exchange was a complete success for everyone involved.
My company was very pleased with Matthew, and he gained many impressions and insights that he plans to apply back home in Uganda.
Everyone learned from one another – professionally, personally, and culturally.


✈️ Abschied und Ausblick/Farewell and Outlook

Zum Abschluss gab es ein gemeinsames Abendessen mit meinen Eltern, Kollegen, Maury und mir – ein emotionaler Moment voller Dankbarkeit.
Am nächsten Morgen fuhr ich Matthew zum Flughafen.
In seinem Gepäck: zahlreiche kleine Mitbringsel, viele Erfahrungen – und neue Freundschaften.

At the end of his stay, we shared a farewell dinner with my parents, colleagues, Maury, and me – an emotional moment full of gratitude.
The next morning, I drove Matthew to the airport.
In his luggage: small gifts, countless experiences – and new friendships.

Der Austausch mag vorbei sein, aber unsere Freundschaft ist es nicht.
Wir bleiben in Kontakt – und wer weiß, vielleicht führt uns der nächste Austausch ja wieder zusammen.

The exchange may have ended, but our friendship has not.
We stay in touch – and who knows, perhaps the next exchange will bring us together again.


🌍Blog 376 – Abschied aus Uganda und Neubeginn in Deutschland/Farewell to Uganda and a New Beginning in Germany


✈️ Abschied mit gemischten Gefühlen/ Leaving with Mixed Feelings

Nach vier intensiven Wochen in Matany fiel mir der Abschied schwer.
Ich hatte das Gefühl, dass die Zeit dort mich mehr verändert hatte, als ich in diesem Moment begreifen konnte.
Wir versuchten, die verbleibenden Tage sinnvoll zu nutzen und noch offene Aufgaben zu erledigen.

Als wir uns vom Team verabschiedeten, gab es eine emotionale Runde, in der jeder ein paar Worte sagte.
Zum Abschied erhielten wir sogar traditionelle Kleidung – ein bewegender Moment, in dem ich große Dankbarkeit und Stolz empfand,
dieses Krankenhaus mit unserer Arbeit unterstützt zu haben – aber auch ein Stück Wehmut.

After four intense weeks in Matany, saying goodbye was hard.
I felt that my time there had changed me more than I could yet understand.
We tried to make good use of the remaining days and complete the last open tasks.

When we said farewell to the team, everyone shared a few words, and we even received traditional clothing as a farewell gift – a moving moment filled with gratitude and pride for having supported this hospital with our work, but also with a touch of melancholy.

Ich war froh und stolz auf das, was wir geschafft hatten, und gleichzeitig traurig, all die Menschen zurückzulassen,
mit denen wir so eng zusammengearbeitet hatten.
Matany war für mich mehr geworden als nur ein Einsatzort – es war ein Stück Leben auf Zeit.

I was proud of what we had accomplished and, at the same time, sad to leave behind the people I had worked so closely with.
Matany had become more than just a workplace – it had become a temporary home.


🛬 Zurück in Deutschland/ Back in Germany

Als ich wieder in Deutschland landete, war es ein seltsames Gefühl.
Einerseits freute ich mich, Maury, meine Familie und Freunde wiederzusehen,
andererseits war mein Kopf noch voller Eindrücke aus Uganda.
Der Kontrast konnte kaum größer sein:
Während es in Uganda um wirklich wesentliche, oft lebenswichtige Dinge ging,
drehte sich hier vieles plötzlich um Details, die mir im Vergleich unbedeutend erschienen –
etwa ob eine Lampe exakt in einer Linie mit einer Lüftung montiert ist oder nicht.

When I landed back in Germany, it felt strange.
On one hand, I was happy to see Maury, my family, and friends again;
on the other hand, my head was still full of impressions from Uganda.
The contrast couldn’t have been greater:
While my work there had focused on truly essential, often life-critical things,
here it seemed to revolve around minor details – like whether a lamp is perfectly aligned with a ventilation grid or not.

Der Alltag kam schnell zurück, aber vieles fühlte sich anders an.
Ich ertappte mich oft dabei, an die Menschen in Matany zu denken –
an die Stromausfälle, die Improvisation, aber auch an das Lachen und die Geduld meiner Kollegen.

Everyday life returned quickly, but much felt different.
I often found myself thinking of the people in Matany – the power cuts, the constant improvisation, and also the laughter and patience of my colleagues.


⚙️ Zwischen Welten/ Between Two Worlds

Zurück im Berufsleben erzählte ich meinen Kollegen von der Arbeit in Matany.
Manche hörten interessiert zu, andere konnten sich kaum vorstellen, wie anders die Bedingungen dort sind.
Ich merkte, dass man so eine Erfahrung schwer in Worte fassen kann – man muss sie selbst erlebt haben.

Back at work, I told my colleagues about our time in Matany.
Some listened with interest, others could hardly imagine how different the conditions were.
I realized that such experiences are hard to put into words – you have to live them to understand them.

Maury und ich sprachen oft darüber, was bleibt –
über den Sinn von Entwicklung, über kulturelle Unterschiede und darüber, wie Begegnungen uns verändern.
Langsam kehrte Normalität ein – aber es war nicht mehr dieselbe Normalität wie vorher.

Maury and I often talked about what remains – about the meaning of development, cultural differences, and how encounters change us.
Gradually, daily life returned – but it wasn’t the same as before.


🌐 Mehr erfahren und mitmachen/ Learn More and Get Involved

Wer sich für das Programm des SES interessiert,
kann sich dort bewerben, Hilfe anfordern oder Unterstützer werden:
👉 https://ses-bonn.de/home

Wer unter 31 Jahre alt ist, einen Beruf gelernt hat
und in Deutschland oder einem afrikanischen Land lebt,
kann sich beim Team Works-Programm des AGYO bewerben:
👉 https://www.deutsch-afrikanisches-jugendwerk.de/en/homepage.html

If you are interested in the SES program, you can apply, request support, or become a volunteer supporter here:
👉 https://ses-bonn.de/home

If you’re under 31, have completed vocational training, and live in Germany or an African country,
you can apply for the Team Works program by AGYO here:
👉 https://www.deutsch-afrikanisches-jugendwerk.de/en/homepage.html

Zu guter Letzt möchte ich erwähnen, dass das Austauschprogramm,
an dem ich teilgenommen habe – TeamWorks!
Arbeitsaustausche in beide Richtungen anbietet:
von Deutschland in ein afrikanisches Land ebenso wie von einem afrikanischen Land nach Deutschland.

Zwei meiner Kollegen aus Uganda habe ich dazu ermutigt,
sich zu bewerben, weil sie perfekt in das Programm passen:
Gunther, der biotechnische Ingenieur, und Matthew, der Elektriker,
mit dem ich am meisten zusammengearbeitet habe und zu dem ich inzwischen eine Freundschaft aufgebaut habe.

Was aus den Bewerbungen wird – und ob es ein Wiedersehen in Deutschland gibt –
erfahrt ihr im nächsten Blog.

Finally, I’d like to mention that the exchange program I took part in – TeamWorks!
offers work exchanges in both directions:
from Germany to African countries and from African countries to Germany.

I encouraged two of my Ugandan colleagues to apply, as they fit perfectly into the program:
Günther, the biomedical engineer, and Matthew, the electrician I worked most closely with and have since become friends with.

What will come of their applications – and whether there will be a reunion in Germany – you’ll find out in the next blog.


➡️ Im nächsten Teil:
„Austausch in beide Richtungen – Matthews Besuch in Deutschland“ 🌍

Next up:
“Exchange in Both Directions – Matthew’s Visit to Germany.” 🌍


Blog 375 – Armut, Krankheit und Hoffnung – die andere Seite des Alltags in Matany/Poverty, illness, and hope – the other side of everyday life in Matany.

🌍 Jenseits der Krankenhausmauern/ Beyond the Hospital Walls

Das Leben außerhalb des Krankenhausgeländes erlebte ich als sehr hart.
Hunger, Unterernährung, Gewalt und vermeidbare Krankheiten prägen den Alltag vieler Menschen hier.
Immer wieder wurde mir bewusst, wie privilegiert selbst einfache Lebensumstände in Europa sind.

Life outside the hospital grounds was extremely tough.
Hunger, malnutrition, violence, and preventable diseases shape the everyday lives of many people here.
Time and again, I became aware of how privileged even the simplest living conditions in Europe truly are.

An einem Wochenende unternahmen wir gemeinsam mit einigen Ärztinnen und Kollegen eine Wanderung auf einen Berg.
Unterwegs kamen wir durch kleine Dörfer, in denen die meisten Häuser aus Lehm gebaut waren – ohne Strom, fließendes Wasser oder Toiletten.
Wir sahen Kinder mit extrem dünnen Armen und Beinen, dafür mit aufgeblähten Bäuchen durch Eiweißmangel.
Andere schleppten schwere Säcke Holzkohle den Berg hinunter, um etwas Geld zu verdienen.

One weekend, together with some doctors and colleagues, we hiked up a mountain.
On the way, we passed through small villages where most houses were made of clay – without electricity, running water, or toilets.
We saw children with extremely thin arms and legs, their bellies swollen from protein deficiency.
Others carried heavy sacks of charcoal down the mountain to earn a little money.

Ein Junge lief fast die ganze Strecke hinter uns her, in der Hoffnung, etwas zu essen zu bekommen.
Eine Familie sprach uns an und bat, ob die Ärztinnen unserer Wandergruppe ihr behindertes Kind untersuchen könnten.
Leider konnten wir nicht viel tun – die Wege zum Krankenhaus sind weit, hier war unser Krankenhaus nicht zuständig, und selbst die stark vergünstigte Behandlung ist für viele unbezahlbar.

A boy followed us almost the entire way, hoping for something to eat.
A family stopped us, asking if the doctors in our group could examine their disabled child.
Sadly, we couldn’t do much – the roads to the hospital are long, our hospital wasn’t responsible for that area, and even the heavily reduced treatment costs are unaffordable for many.

Manche Menschen sterben, weil sie keine fünf Euro für Medikamente oder den Transport ins Krankenhaus haben.
Das ist die traurige Realität.

Some people die simply because they don’t have five euros for medicine or transport to the hospital.
That’s the heartbreaking reality.


🔄 Der Kreislauf der Armut/The Cycle of Poverty

Hier wird deutlich, wie eng Armut, Bildung und Gesundheit miteinander verbunden sind.
Fehlende Bildung und kaum soziale Absicherung führen dazu, dass viele Familien sehr viele Kinder haben – kulturell bedingt, aber auch in der Hoffnung, dass wenigstens einige überleben und später helfen können.
Doch durch die vielen Kinder fehlt wiederum das Geld für Schulbildung, und der Kreislauf beginnt von vorn.

Here it becomes clear how closely poverty, education, and health are connected.
A lack of education and almost no social safety nets lead many families to have many children – culturally influenced, but also in the hope that at least some will survive and support them later.
But because of the many children, there is no money left for schooling, and the cycle starts all over again.

Es gibt viele gute Hilfsprojekte, aber nicht alle wirken nachhaltig.
Manche greifen zu kurz oder haben unbeabsichtigte Nebenwirkungen.
Die Probleme hier sind komplex – und sie lassen sich nicht mit schnellen Lösungen beheben.

There are many good aid projects, but not all of them are sustainable.
Some fall short or have unintended side effects.
The problems here are complex – and they cannot be solved with quick fixes.

Nichts zu tun ist jedoch keine Option.
Gerade wir Europäer tragen historische Verantwortung – viele der heutigen Ungleichheiten wurzeln in der Kolonialzeit.
Das anzuerkennen, geht über Schuld und Wiedergutmachung hinaus und ist ein ehrlicher Schritt hin zu einem fairen Miteinander.

Doing nothing, however, is not an option.
We Europeans, in particular, bear a historical responsibility – many of today’s inequalities have their roots in colonial times.
Acknowledging this goes beyond guilt or reparation; it is an honest step toward genuine fairness and partnership.

Eines möchte ich noch hinzufügen: Natürlich gibt es in Uganda – wie in jedem Land – ganz unterschiedliche Lebenswirklichkeiten.
Nicht jeder ist arm, leidet Hunger oder ist hilfsbedürftig.
Es gibt selbstverständlich auch wohlhabende Menschen, die jedoch meist in der Hauptstadt Kampala leben.
In der Region, in der sich das Krankenhaus befindet, ist die Situation der meisten Menschen jedoch besorgniserregend.

One more thing I’d like to add: Of course, as in any country, Uganda has many different realities.
Not everyone is poor, hungry, or in need of help.
There are also wealthy people, though most live in the capital, Kampala.
But in the region where the hospital is located, the situation for most people is deeply concerning.


⚰️ Der Friedhof von Matany/The Cemetery of Matany

Eines Tages fragte ich mich, wo die Patienten beerdigt werden, die im Krankenhaus sterben und deren Familien die bisherige Behandlung der Verstorbenen nicht bezahlen können – und sie deshalb einfach zurücklassen.
Man zeigte mir den Friedhof – ein stilles, karges Stück Land hinter dem Krankenhaus.

One day, I wondered where the patients who die in the hospital are buried, especially those whose families cannot pay for the treatment and therefore leave their deceased behind.
Someone showed me the cemetery – a quiet, barren piece of land behind the hospital.

Auf den ersten Blick war kaum etwas zu erkennen.
Keine Grabsteine, keine Namen – nur kleine, längliche Erdhügel.
Sechs davon frisch, andere schon eingesunken.
Ich stand da und versuchte mir vorzustellen, wie viele Menschen hier begraben liegen müssen – ohne, dass jemand weiß, wer sie waren.

At first glance, there was hardly anything to see.
No headstones, no names – only small, elongated mounds of earth.
Six of them fresh, others already sunken.
I stood there, trying to imagine how many people must be buried here – without anyone knowing who they were.

Viele sterben an Tuberkulose oder Malaria – Krankheiten, die heilbar oder behandelbar wären, wenn Medikamente, sauberes Wasser und eine ausreichende, abwechslungsreiche Ernährung selbstverständlich wären.
Doch hier sind sie es nicht.

Many die from tuberculosis or malaria – diseases that could be cured or treated if medicine, clean water, and adequate, varied nutrition were taken for granted.
But here, they are not.


🕯️ Zwischen Schmerz und Hoffnung/ Between Pain and Hope

Trotz all der Not ist Matany kein hoffnungsloser Ort.
Ich sah unermüdliche Ärzte, Schwestern und Techniker, die Tag und Nacht im Einsatz sind.
Ich sah viel Hoffnung und Optimismus bei allen Beteiligten.
Nie sah ich einen Patienten, der sich über die manchmal schwierigen Bedingungen beschwerte.
Was bleibt einem auch anderes übrig – entweder man verzweifelt, oder man nimmt das Schicksal an und versucht, den einzig wirklich gangbaren Weg zu gehen: weiterzuleben.

Despite all the hardship, Matany is not a hopeless place.
I saw tireless doctors, nurses, and technicians working day and night.
I saw hope and optimism in everyone involved.
Never did I see a patient complain about the sometimes difficult conditions.
What else can one do? Either despair – or accept fate and take the only real path forward: to keep living.


🔋 Blick nach vorn/Looking Ahead

Das Krankenhaus plant große Verbesserungen:
Eine neue Operationsstation mit moderner Ausstattung, eine erweiterte Solaranlage und ein großer Batteriespeicher sollen künftig Stromausfälle verhindern.
Auch Überspannungsschutz und Stromverteilungen sollen modernisiert werden.

The hospital is planning major improvements:
A new surgical unit with modern equipment, an expanded solar system, and a large battery bank to prevent future power outages.
They also plan to modernize surge protection and electrical distribution systems.

Doch all das kostet Geld – weit mehr, als das Krankenhaus selbst aufbringen kann.
Neben kirchlicher Unterstützung sind Spenden entscheidend, um die Versorgung der Menschen langfristig zu sichern.

But all this costs money – far more than the hospital can afford on its own.
Alongside church support, donations are crucial to secure healthcare for the people in the long term.

Wer helfen oder sich informieren möchte, findet hier die offiziellen Seiten:
👉 matanyhospital.org
👉 Betterplace-Unterstützerkreis

If you’d like to help or learn more, visit:
👉 matanyhospital.org
👉 Betterplace Support Circle*


➡️ Im nächsten Teil:
„Abschied aus Uganda und Neubeginn in Deutschland“

Next up:
“Farewell to Uganda and a New Beginning in Germany” 🌍

⚙️ Blog 374 – Leben und Arbeiten im Krankenhaus von Matany/ Living and Working at Matany Hospital


Technik trifft Verantwortung – Erfahrungen zwischen Stromausfällen, Teamgeist und Menschlichkeit./ Technology meets responsibility – lessons from outages, teamwork, and humanity.


Die Fahrt nach Matany/The Journey to Matany

Am frühen Morgen brachen wir endlich auf Richtung Matany.
Unser Fahrzeug war ein Krankenwagen, voll beladen mit Werkzeug, Material und Einkäufen fürs Krankenhaus.
Hinten saßen Wolle und ich auf einer kleinen Bank – umgeben von Gepäck, Kabelrollen und Kartons.

Early in the morning, we finally set off for Matany.
Our vehicle was an ambulance packed with tools, materials, and hospital supplies.
In the back, Wolle and I sat on a small bench surrounded by boxes, cables, and bags.

Nach den endlosen Staus in Kampala nahmen wir endlich Fahrt auf.
Unterwegs überquerten wir den Nil und hielten in einem kleinen Straßenrestaurant, wo wir das beliebte ugandische Gericht Rolex probierten.
Das Wort „Rolex“ ist eine Kombination aus Roll und Egg – also „gerolltes Ei“.
Es besteht aus einem frisch gebackenen Chapati, das mit Ei und etwas Gemüse gefüllt und zusammengerollt wird – ein einfaches, günstiges und unglaublich leckeres Gericht.

After endless traffic jams in Kampala, we finally gained some speed.
Along the way, we crossed the Nile River and stopped at a small roadside restaurant where we tried Uganda’s popular dish Rolex.
The name comes from Roll and Egg – a “rolled egg.”
It’s made from a freshly baked chapati filled with egg and a bit of vegetables – simple, affordable, and incredibly tasty.

Je weiter wir fuhren, desto trockener wurde die Landschaft.
Die grüne Vegetation wich einer weiten Savanne – staubig, heiß, karg.
Hier leben viele Menschen als Hirten, oft mit ihren Rindern unterwegs.
Einige waren bewaffnet – ein Hinweis auf die Spannungen, die Armut und Viehdiebstahl die das Leben hier beeinflusst.

The farther we drove, the drier the landscape became.
Lush vegetation gave way to vast, dusty savannah.
Many people here live as herders, moving with their cattle.
Some carried weapons – a reminder of the tensions, poverty, and cattle theft that shape life in this region.


🏥 Ein Mikrokosmos namens St. Kizito Hospital/A Microcosm Called St. Kizito Hospital

Am Nachmittag erreichten wir unser Ziel.
Das St. Kizito Hospital liegt auf einem riesigen Gelände und gleicht einer kleinen Stadt.
Hier gibt es eine Pflegeschule, Kindergarten, Geburtsstation, Werkstätten, eigene Wasserversorgung, Küchen, Gartenanlagen, eine kleine Ziegenfarm, eine derzeit ungenutzte Landepiste, Wohnhäuser, eine Kirche, eine Trafo-Station und sogar einen Friedhof.

By afternoon, we finally arrived.
The St. Kizito Hospital sits on a vast compound, almost like a small town.
It has a nursing school, kindergarten, maternity ward, workshops, its own water system, kitchens, gardens, a small goat farm, a currently unused airstrip, staff housing, a church, a transformer station, and even a cemetery.

Wir wurden im internen Gästehaus untergebracht, wo meist ausländische Freiwillige wohnen.
Jeder von uns hatte ein eigenes Zimmer mit Bad, fließendem Wasser und – dank Solaranlage – unterbrechungsfreier Stromversorgung.
Ein echter Luxus in dieser Region.

We stayed in the guesthouse, where most international volunteers live.
Each of us had a private room with running water and – thanks to solar power – uninterrupted electricity.
A real luxury in this region.

Hier trafen wir Bruder Gunther, den deutschen Ordensmann und Leiter des Krankenhauses, sowie Bruno, den Leiter des technischen Departments.
Nach einer kurzen Führung über das Gelände war uns klar: Hier läuft nichts von selbst – jede Leitung, jede Pumpe, jede Maschine muss am Laufen gehalten werden.

Here we met Brother Gunther, the German monk who heads the hospital, and Bruno, the head of the technical department.
After a short tour, it was clear that nothing here runs automatically – every pipe, pump, and machine must be kept running by hand.


Der erste Notfall – Stromausfall in der Sauerstoffanlage/The First Emergency – Power Failure in the Oxygen System

Kaum hatten wir uns nach einem langen Anreisetag schlafengelegt, kam ein Anruf:
Die Sauerstoffanlage funktionierte nicht.
Gemeinsam mit Wolle und dem Biotechnikingenieur eilten ich zur Station – direkt neben der Geburtsstation, wo gerade der Geräuschskulisse nach zu urteilen eine Frau in den Wehen lag.

Hardly had we unpacked when a call came in:
The oxygen system had failed.
Together with Wolle and the biomedical engineer, we rushed to the unit – right next to the maternity ward, where a woman was clearly in labour.

Nach kurzer Fehlersuche fanden wir die Ursache: eine Phasenvertauschung in der Stromversorgung.
Der Energieversorger hatte offenbar ohne Vorwarnung einen Transformator getauscht – und dabei die Phasen vertauscht.
Dadurch liefen alle großen Elektromotoren rückwärts – mit potenziell fatalen Folgen.
Zum Glück verfügte die Sauerstoffanlage über eine eigene Phasenüberwachung, die den Schaden verhinderte.
Wir korrigierten den Anschluss, und bald lief die Anlage wieder.
Der Sauerstoff floss – was für eine Erleichterung.

After a short inspection, we found the cause: a phase reversal in the power supply.
The electricity provider had apparently replaced a transformer without warning – and swapped the phases.
This meant all large electric motors were suddenly running in reverse – potentially disastrous.
Luckily, the oxygen system had a built-in phase monitor that prevented serious damage.
We corrected the wiring, and soon the system was running again.
Oxygen was flowing – what a relief.

Ein eindrucksvoller Moment – was für ein heikler nächtlicher Einsatz.
Als ich mich wieder hinlegte, konnte ich lange nicht einschlafen.
Ich fragte mich, was passiert wäre, wenn diese komplexe und teure, für die Patienten lebenswichtige Anlage wirklich kaputtgegangen wäre – ohne Aussicht auf schnellen Ersatz.
Der Gedanke ließ mich nicht los, doch schließlich übermannte mich dann doch der Schlaf.


What a delicate night-time operation.
As I lay back down, I couldn’t fall asleep for a long time.
I kept thinking about what might have happened if this complex and costly system, so vital for the patients’ survival, had truly broken down — with no chance of quick repair.
The thought lingered for a while, until eventually, sleep finally overtook me
.


🧰 Alltag im technischen Department/Everyday Life in the Technical Department

Am nächsten Morgen begann unser erster offizieller Arbeitstag.
Zunächst wurde gemeinsam gebetet, dann hielt Bruno eine kurze Ansprache und stellte uns dem gesamte Team vor. Am meisten werden wir mit
Julius (Chef-Elektriker), Matthew und Pascal (Elektriker), Daniel (IT-Spezialist) und Gunther Junior, der Bioingenieur zusammenarbeiten.

The next morning marked our first official workday.
We began with a short prayer, then Bruno gave a speech and introduced us to the team:
Julius (head electrician), Matthew, Pascal, Daniel (IT specialist), and Guenther Junior, the biomedical engineer.

Nach dem Kennenlernen überreichten wir kleine Gastgeschenke und das mitgebrachte Werkzeug – darunter ein neues Messgerät für Installationsprüfungen.
Dann begannen wir mit der Überprüfung der Trafostation, um den Fehler vom Vortag endgültig zu beheben.

After introductions, we handed out small gifts and the tools we had brought – including a new installation testing device.
Then we checked the transformer station to permanently fix the issue from the night before.

In den folgenden Tagen lernten wir die gesamte technische Infrastruktur kennen: Generatoren, Wasserpumpen, Beleuchtung, Solarsteuerung – alles Systeme, die täglich ausfallen könnten.
Von fünf Generatoren waren meist meist nur ein bis zwei funktionsfähig.

Over the next days, we explored the hospital’s entire technical infrastructure: generators, water pumps, lighting, solar systems – everything that could fail on any given day.
Of five generators, usually only one or two were working.

Die Wasserversorgung stand ebenfalls unter Druck.
Drei Brunnen versorgen das Krankenhaus, doch in der Trockenzeit sank der Grundwasserspiegel stark.
Selbst bei 24-Stunden-Betrieb der Pumpen füllte sich der Hochbehälter kaum.

The water supply was also under stress.
Three wells supply the hospital, but in the dry season the groundwater level drops drastically.
Even running the pumps 24 hours a day barely kept the main tank filled.

Gerade die Geburtsstation braucht Unmengen an Wasser.
Ohne Wasser oder Strom steht alles still – ein Gedanke, der einem den Atem nimmt.

The maternity ward, in particular, consumes vast amounts of water.
Without power or water, everything stops – a thought that takes your breath away.


👷 Teamarbeit und Respekt/Teamwork and Respect

Ich bin meinen ugandischen Kolleginnen und Kollegen unendlich dankbar.
Vom ersten Tag an nahmen sie uns offen auf, erklärten geduldig und ließen uns aktiv mitarbeiten.

I am deeply grateful to my Ugandan colleagues.
From day one, they welcomed us openly, patiently explained things, and encouraged us to take part actively.

Während Wolle ein Konzept zur Verbesserung der Elektroinstallation entwarf, erklärte ich den Elektrikern den Umgang mit dem neuen VDE0100 E-CheckMessgerät.
Wir testeten mehrere Gebäudebereiche und fanden heraus, wo akuter Handlungsbedarf besteht.

While Wolle worked on a concept to improve the electrical layout, I showed the electricians how to use the new testing device.
Together we checked several buildings and identified areas needing urgent attention.

Besonders fordernd war die Installation einer neuen Intensivstation für Säuglinge.
Wir zogen Kabel durch Dachböden – bei brütender Hitze.
Als ich schweißgebadet wieder herunterkam, staunte das Team:
„Ein Musungu(Weiße Menschen werden hier so genannt), der so arbeitet!“ – seitdem hatte ich spürbar mehr Respekt vom gesamten Team.

One of the toughest jobs was installing a new neonatal intensive care unit.
We pulled cables through attics under blazing heat.
When I came down drenched in sweat, the team laughed: “A Musungu(white man) who works like that!” – from now on I had finally the full respect of the team.


❤️ Arbeiten, um zu überleben/Working to Survive

Das Leben hier ist hart.
Ein Elektriker verdient umgerechnet etwa 75 Euro im Monat – bei einer Sechs-Tage-Woche.
Um über die Runden zu kommen, arbeiten viele an freien Nachmittagen oder sogar Sonntags privat weiter.

Life here is tough.
An electrician earns about 75 euros per month – working six days a week.
To make ends meet, many take on private jobs on weekends or evenings.

Trotzdem spürt man Stolz und Zusammenhalt.
Viele arbeiten nicht nur für den Lohn, sondern dem anschein nach auch weil sie wissen, dass ihre Arbeit Leben rettet.

Yet there’s a strong sense of pride and solidarity.
Many don’t just work for money – they work because they know their effort saves lives.


🕊️ Verantwortung und Demut/Responsibility and Humility

Für mich war diese Zeit in Matany eine sehr intensive und lehrreiche Zeit.
Ich lernte, dass technische Arbeit hier mehr bedeutet als nur reine Funktion – sie ist Teil eines Systems, das über Gesundheit, Sicherheit und Würde entscheidet.

For me, the time in Matany was a profound life lesson.
I learned that technical work here means more than function – it’s part of a system that safeguards health, safety, and dignity.

Ich bewundere meine Kolleginnen und Kollegen, die trotz widrigster Umstände nie die Ruhe verlieren.
Sie handeln lösungsorientiert, helfen sich gegenseitig und beweisen, dass echter Fortschritt nur mit Zusammenarbeit entsteht.

I deeply admire my colleagues, who remain calm even in the toughest circumstances.
They think ahead, find creative solutions, and support each other – proving that real progress comes only through cooperation.


➡️ Im nächsten Teil:
„Armut, Krankheit und Hoffnung – die andere Seite des Alltags in Matany“

Next up:
“Poverty, Illness, and Hope – The Other Side of Everyday Life in Matany.”


🌍 Blog 373 – Ankunft in Uganda/Arrival in Uganda


Vom Stromausfall bis zum Abenteuer auf dem Viktoriasee – meine ersten Tage in Uganda./A story of beginnings, power outages, and unexpected adventures on Africa’s largest lake.


Vorbereitung und Aufbruch/ Preparation and Departure

Meine Team Works Bewerbung wurde zu meiner großen Freude angenommen.
Mein Einsatzort: das St. Kizito Hospital in Matany, ein Krankenhaus in einer abgelegenen und sehr armen Region Ugandas.
Das Krankenhaus wird vom Comboni-Orden betrieben und steht unter der Leitung eines deutschen Mönchs.

My Team Works application was accepted to my great delight.
My assignment: the St. Kizito Hospital in Matany, a hospital located in a remote and very poor area of Uganda.
The hospital is run by the Comboni Missionary Order and headed by a German monk.

Das Krankenhaus kämpft mit ständigen Stromausfällen und Problemen in der elektrischen Versorgung.
Zur Verbesserung hatte man beim Senior Expert Service (SES) Unterstützung angefordert – einer Organisation, bei der sich pensionierte Fachkräfte engagieren, um ihr Wissen in gemeinnützigen Projekten weiterzugeben.

The hospital has been struggling with frequent power outages and an unstable electrical system.
To address this, it had requested support from the Senior Expert Service (SES) — a government-backed organization where retired professionals volunteer their expertise for community projects.

Beim SES werden Organisationen, die Hilfe brauchen, mit passenden Fachleuten zusammengebracht.
Der SES übernimmt die Reisekosten, die Partnerorganisation sorgt für Unterkunft und Verpflegung.
Dieses Modell garantiert, dass die Initiative vom Bedarf der Einrichtung ausgeht und auf echter Partnerschaft basiert – nicht auf Entscheidungen „von oben“.

The SES matches organizations in need of assistance with suitable professionals.
The SES covers travel expenses, while the partner organization provides housing and food.
This ensures that the initiative comes from the local institution itself and is based on true partnership — not top-down aid.

Da die Arbeit im Krankenhaus auch lebenswichtige Bereiche betrifft, war ich froh, nicht als leitender Experte, sondern als Junior-Begleitung eines SES-Fachmanns teilzunehmen.
Mein Partner war Wolfgang, genannt Wolle, ein warmherziger Ruheständler aus Duisburg, der zuvor in einem Stahlwerk gearbeitet hatte.

Because hospital work involves life-critical systems, I was glad to join not as a lead expert but as a junior assistant.
My partner was Wolfgang, or Wolle — a kind-hearted retiree from Duisburg who had previously worked in a steel factory.

Schon beim ersten Online-Treffen und später beim persönlichen Kennenlernen in Prüm spürte ich, dass unser Einsatz gut werden würde.

From our very first online call — and later when we met in person in Prüm — I could feel that our collaboration would go well.


🛫 Reise nach Uganda/Journey to Uganda

Ende Februar ging es endlich los.
Wir fuhren mit dem Zug nach Brüssel, da es von dort einen Direktflug nach Entebbe mit Zwischenstopp in Kigali gab.
Am Vortag erkundeten wir noch kurz die Stadt, bevor wir am nächsten Morgen mit Werkzeug, Ausrüstung und gespendeten Geräten in den Flieger stiegen.

At the end of February, the time had finally come.
We took a train to Brussels, as there was a direct flight from there to Entebbe, with a short stop in Kigali.
The day before departure, we explored the city a bit before boarding our flight, loaded with tools, equipment, and donated materials.

Der Flug verlief ruhig.
Beim Landeanflug über Entebbe zog jedoch ein heftiges Gewitter auf.
Kaum standen wir an der Passkontrolle, schlug ein Blitz ein – Stromausfall!
Nur die Notbeleuchtung blieb an, die Computer liefen weiter – offenbar über eine Notstromversorgung.

The flight went smoothly.
But during our descent over Entebbe, a strong thunderstorm rolled in.
As we stood at passport control, lightning struck — power outage!
Only the emergency lights stayed on, and the computers kept running — apparently backed up by a generator.

Niemand geriet in Panik – ein eindrückliches Beispiel dafür, wie wichtig Resilienz in kritischer Infrastruktur ist.
Ein passender Auftakt für ein Projekt, das sich genau damit beschäftigen sollte.

No one panicked — a vivid reminder of how crucial resilience in critical infrastructure truly is.
A fitting start for a project dedicated to exactly that issue.

Vom Flughafen wurden wir von einem Fahrer abgeholt und in eine Herberge der Comboni-Brüder in Kampala gebracht, wo wir die erste Nacht verbrachten.

From the airport, a driver took us to a Comboni Brothers guesthouse in Kampala, where we stayed for our first night.


🏙️ Erste Tage in Kampala/First Days in Kampala

Am nächsten Tag trafen wir Julius, den Chef-Elektriker des St. Kizito Hospitals, der uns in den kommenden Wochen begleiten sollte.
Gemeinsam fuhren wir in die Stadt, um elektrische Komponenten und Werkzeuge einzukaufen.

The next day, we met Julius, the chief electrician of St. Kizito Hospital, who would accompany us in the coming weeks.
Together, we went into the city to buy electrical components and tools.

Viele Materialien entsprachen nicht dem, was ich aus Deutschland kannte.
Manches war gar nicht erhältlich.
Ich begann zu verstehen, wie herausfordernd die Arbeit für Elektriker hier ist: Vieles muss improvisiert, angepasst oder mit einfachsten Mitteln gelöst werden.

Many materials differed from what I was used to in Germany, and some simply weren’t available.
I began to understand how challenging electrical work here can be: much must be improvised, adapted, or repaired with very limited resources.

Am Abend wurden wir in unserer Unterkunft gebeten, bei einem Solar-Notstromsystem zu helfen, das ausgefallen war.
Zusammen mit Julius und Wolle suchten wir den Fehler.
Es stellte sich heraus, dass das Stromnetz vom Energieversorger („Omeme“) zu wenig Spannung lieferte – daher lief die Anlage im Notbetrieb.

That evening, we were asked to help repair a solar backup system that had stopped working.
Together with Julius and Wolle, we diagnosed the issue.
It turned out that the local grid, known as “Omeme,” was delivering low voltage — causing the system to switch to emergency mode.

Ein interessanter erster Einblick in die alltäglichen Herausforderungen der Elektrik in Uganda.

An interesting first glimpse into the daily technical challenges of working with electricity in Uganda.


🧭 Ein unerwartetes Abenteuer am Viktoriasee/An Unexpected Adventure on Lake Victoria

Wir erfuhren, dass wir bei der Weiterfahrt nach Matany eine Nonne mitnehmen sollten.
Doch kurz vor der Abreise hatte sie im chaotischen Verkehr Kampalas einen Unfall:
Ein Motorradfahrer hatte sie angefahren – sie brach sich den Arm.

We learned that we were supposed to take a nun with us on our trip to Matany.
But just before departure, she had an accident in Kampala’s chaotic traffic —
a motorbike hit her, and she broke her arm.

Unsere Fahrt verzögerte sich, also beschlossen wir, die Zeit für einen kleinen Ausflug zu nutzen.
Gemeinsam mit Julius, unserem Fahrer und Wolle fuhren wir zu einem Uferplatz am Viktoriasee, von dem Boote zu nahegelegenen Inseln ablegten.

Our trip was delayed, so we decided to use the time for a short excursion.
Together with Julius, our driver, and Wolle, we went to a lakeside spot on Lake Victoria, where boats depart for nearby islands.

Ein Bootsführer kam auf uns zu und nannte uns einen Preis.
Ich fragte Julius, ob der Preis fair sei, und stimmte zu.
Wolle meinte später, er habe von Anfang an ein ungutes Gefühl gehabt – zu Recht, wie sich herausstellte.

A boatman approached us and named a price.
I asked Julius if it was fair and agreed.
Wolle later said he had a bad feeling about it from the start — and he was right.

Kurz nach dem Start verlangte der Bootsführer das Geld im Voraus, angeblich, um Benzin zu kaufen.
Wir gaben ihm nur einen Teilbetrag.
Wenig später ging ihm tatsächlich der Sprit aus – wir trieben auf dem See.

Shortly after departure, the boatman demanded full payment upfront — supposedly to buy fuel.
We only gave him part of the money.
Moments later, he indeed ran out of fuel — we were now drifting on the lake.

Als er Nachschub erhielt und den Motor neu startete, fing dieser Feuer!
Einige Passagiere gerieten in Panik, der Kapitän sprang ins Wasser – kam aber zurück und löschte die Flammen mit einem nassen Lappen.

When he finally got more fuel and tried to restart the engine, it caught fire!
Some passengers panicked; the captain jumped into the water — but returned to extinguish the flames with a wet cloth.

Wir wechselten auf ein anderes Boot, doch der Ausflug blieb fragwürdig.
Anstatt zur vereinbarten Insel zu fahren, brachte uns der Bootsführer zu einem schwimmenden Restaurant, wo er offenbar eine Provision bekam.

We switched to another boat, but the trip remained questionable.
Instead of taking us to the agreed island, the boatman steered us to a floating restaurant, where he apparently earned a commission.

Auf der Rückfahrt wurde er dann sogar übergriffig gegenüber einer Mitfahrerin.
Ich stellte ihn laut zur Rede – solches Verhalten ist überall auf der Welt inakzeptabel.

On the way back, he even behaved inappropriately toward a female passenger.
I confronted him — such behavior is unacceptable anywhere in the world.

Schließlich kamen wir sicher, aber erschüttert zurück.
Eine Erfahrung, die zeigte: Beim Reisen gibt es nicht nur schöne Erfahrungen, sondern man muss auch immer wachsam sein, aber das muss man ja zu Hause auch.

Eventually, we made it back safely but shaken.
It was a reminder that travel isn’t just about beautiful moments — it’s also about awareness, respect, and learning from every situation.


➡️ Im nächsten Teil:
„Leben und Arbeiten im Krankenhaus von Matany – Technik trifft Verantwortung“

Next up:
“Life and Work at Matany Hospital – When Technology Meets Responsibility”

🌍 Blog 372 – Vom Reisen zum Austausch/ From Travel to Exchange


Ein Austausch ist mehr als nur Abenteuer – er verbindet Länder über Kontinente hinweg./An exchange is more than just an adventure – it connects countries across continents.


✨ Vom Radreisen zum Austausch/From Bicycle Travel to Cultural Exchange

Reisen kann verändern.
Es öffnet den Blick für Ungleichheiten, aber auch für Chancen, Begegnungen und Menschlichkeit.
Nach meiner Weltreise wusste ich: Ich wollte nicht einfach nur von meinen Erfahrungen erzählen – ich wollte etwas zurückgeben.

Travel can change you.
It opens your eyes to inequality, but also to opportunity, to human connection, and to compassion.
After my world trip, I knew I didn’t just want to talk about my experiences – I wanted to give something back.

Alles begann mit einem Vortrag des Vereins Suni e.V., der sich für den Austausch zwischen Namibia und Deutschland einsetzt.
Mich faszinierte besonders, dass es hier nicht um klassische Entwicklungszusammenarbeit ging – also nicht um „Hilfe von oben“, sondern um Partnerschaft auf Augenhöhe.

It all began with a presentation by Suni e.V., an organization promoting exchange between Namibia and Germany.
What fascinated me most was that this wasn’t about traditional development aid – not “help from above,” but rather partnership on equal footing.

Diese Philosophie überzeugte mich sofort.
Maury und ich wurden Mitglieder – und schon bald ergab sich die Gelegenheit, aktiv zu werden.

This philosophy convinced me right away.
Maury and I became members, and soon we had the opportunity to get involved ourselves.


🌊 Ein Projekt nimmt Fahrt auf/The Project Sets Sail

Wir erfuhren per E-Mail, dass für ein deutsch-namibisches Meeresschutzprojekt die deutschen Teilnehmer abgesprungen waren.
Ohne zu zögern boten wir uns an, das Projekt mit zu übernehmen, und bewarben uns für einen internationalen Workshop in Kigali, Ruanda.

We learned via email that a German–Namibian marine protection project had lost its German participations.
Without hesitation, we volunteered to step in and applied for an international workshop in Kigali, Rwanda.

In diesem fünftägigen Workshop trafen wir auf engagierte junge Menschen aus ganz Afrika und Europa.
Gemeinsam lernten wir, wie nachhaltige Projekte geplant, organisiert und umgesetzt werden können.

During the five-day workshop, we met motivated young people from all over Africa and Europe.
Together, we learned how to plan, organize, and implement sustainable projects.

Unsere Projektidee wurde angenommen!
Wir konnten sie in Kigali vorstellen und bekamen wertvolle Unterstützung, um sie weiterzuentwickeln.

Our project idea was accepted!
We presented it in Kigali and received valuable guidance to develop it further.


Eindrücke aus Ruanda/Impressions from Rwanda

Nach dem Workshop verlängerten Maury und ich unseren Aufenthalt auf eigene Kosten, um Ruanda zu bereisen.
Wir fuhren mit einem Mietwagen quer durchs Land – vom Kivu-See bis zum Akagera-Nationalpark.

After the workshop, Maury and I extended our stay to explore Rwanda.
We rented a car and drove across the country – from Lake Kivu to the Akagera National Park.

Ruanda hat nicht nur beeindruckende Natur, sondern auch eine schwere, bewegte Geschichte.
Die Wurzeln des Leids liegen im Rassenwahn der Kolonialzeit, in der willkürliche Grenzen und Machtstrukturen geschaffen wurden.
Die Spaltung in Hutu und Tutsi, Bevorzugung, Missgunst und Hass führten schließlich zum unvorstellbar grausamen Völkermord von 1994.
Innerhalb von nur 100 Tagen wurden zwischen 800 000 und 1 Million Menschen ermordet – meist Angehörige der Tutsi-Bevölkerung.
Ganz normale Nachbarn wurden zu Tätern, Familien ausgelöscht, Kinder, Frauen und Männer grausam mit Macheten getötet.

Rwanda is not only rich in nature but also carries a heavy, painful history.
Its roots lie in the racial ideologies of colonial times, when arbitrary divisions and power structures were created.
The separation of Hutu and Tutsi, favoritism, resentment, and hate eventually culminated in the unimaginable genocide of 1994.
Within only 100 days, between 800 000 and 1 million people were murdered — most of them Tutsi.
Ordinary neighbors became killers; families were destroyed; men, women, and children were brutally slaughtered.

Heute erinnern zahlreiche Gedenkstätten an die Verbrechen, darunter das Kigali Genocide Memorial – ein Ort des Lernens und Mahnens.
Dort erfährt man nicht nur über die Tragödie Ruandas, sondern auch über andere Genozide weltweit, deren Ursachen sich erschreckend ähneln.
Das Ziel: Wissen weitergeben, um jede künftige Wiederholung solcher Gräueltaten zu verhindern.

Today, many memorial sites honor the victims, including the Kigali Genocide Memorial — a place of education and remembrance.
There you learn not only about Rwanda’s tragedy but also about genocides worldwide whose patterns are hauntingly similar.
The goal is clear: to educate, so that such atrocities will never happen again.

Besonders beeindruckt hat mich, wie Ruanda gelernt hat, mit dieser Last umzugehen.
Community Gerichte, die auf Wiedergutmachung statt Rache setzten, beurteilten tausende Nebentäter.
Man spürt, dass sich das Land bemüht, die Spirale der Gewalt zu durchbrechen – nicht zu vergessen, aber zu verzeihen.

What impressed me most was how Rwanda has learned to bear this burden.
Community courts, focused on reconciliation instead of revenge, tried thousands of minor perpetrators.
You can feel that the nation strives to break the cycle of violence — not to forget, but to forgive.

Trotz bestehender Herausforderungen hat Ruanda es geschafft, Frieden, Sicherheit und Sauberkeit auf einem beeindruckenden Niveau zu schaffen.
Überall spürt man Aufbruchsstimmung und den Willen, aus der Vergangenheit zu lernen.

Despite ongoing challenges, Rwanda has managed to build remarkable peace, safety, and cleanliness.
Everywhere you sense a spirit of renewal and a genuine determination to learn from the past.


💡 Team Works !– Der nächste Schritt/Team Works! – The Next Step

Während des Workshops hörte ich zum ersten Mal vom Programm Team Works, das von der Afrikanisch-Deutschen Jugendinitiative (AGYO) unterstützt wird.

During the workshop, I first heard about Team Works, a program supported by the African-German Youth Initiative (AGYO).

Es richtet sich an junge Fachkräfte zwischen 18 und 30 Jahren, die praktische Berufserfahrungen in einem afrikanischen oder deutschen Betrieb austauschen möchten.
Da ich selbst Handwerker bin und es nur wenige deutsche Bewerber aus diesem Bereich gab, standen meine Chancen gut.

It targets young professionals aged 18 to 30 who wish to gain hands-on experience in African or German workplaces.
As an electrician — and with few German applicants in this field — my chances were surprisingly good.

Obwohl ich schon 30 war, wagte ich die Bewerbung – wohl wissend, dass es nur klappen konnte, wenn alles sehr schnell ging.
Und tatsächlich, wenige Wochen nach unserer Rückkehr nach Deutschland kam die Nachricht:
Ich wurde angenommen! 🎉

Even though I was already 30, I applied anyway — knowing it would only work if everything moved quickly.
And indeed, just a few weeks after returning to Germany, the message arrived:
I had been accepted! 🎉


🩺 Uganda wartet/Uganda Awaits

Mein Einsatzort: das St. Kizito Hospital in Matany, Uganda.
Ein Krankenhaus in einem abgelegenen, sehr armen Teil des Landes – betrieben von einem katholischen Orden unter der Leitung eines deutschen Paters.

My placement: the St. Kizito Hospital in Matany, Uganda — a small hospital in a remote and very poor region, run by a Catholic order led by a German priest.

Das Krankenhaus kämpft mit Problemen in der Stromversorgung, und ich darf dabei helfen, nachhaltige technische Lösungen zu entwickeln und umzusetzen.

The hospital struggles with unstable electricity, and I’ll be helping to design and implement sustainable technical solutions.

Für mich ist das nicht einfach nur ein weiteres Abenteuer, sondern eine Möglichkeit, meine Fähigkeiten als Elektriker sinnvoll einzusetzen – kombiniert mit den Erfahrungen meiner Weltreise.

For me, this isn’t just another adventure.
It’s a chance to combine my skills as an electrician with the insights I gained from traveling the world and to put them to good use.


❤️ Warum das wichtig ist/Why It Matters

Reisen war für mich nie Selbstzweck.
Es war immer ein Weg, die Welt zu verstehen – und etwas zurückzugeben.
Mit dem Projekt in Uganda schließt sich für mich ein Kreis:
Vom Fahrradreisenden zum kulturellen Brückenbauer.

Travel was never an end in itself for me.
It was always a way to understand the world — and to give something back.
With the project in Uganda, the circle closes:
From world cyclist to cultural bridge-builder.

Ich bin dankbar für alles, was daraus entstanden ist – und hoffe, dass meine Geschichte andere ermutigt, über den eigenen Tellerrand hinauszublicken.

I’m grateful for everything that has come from it — and I hope my story inspires others to look beyond their own horizons.


➡️ Fortsetzung folgt:
„Ankunft in Uganda
To be continued:
“Arrival in Uganda.”

🚴‍♂️ Blog 371 – Mein Bruder auf seiner eigenen Fahrradreise /My Brother on His Own Bicycle Journey

Mut, Glück und Brüderlichkeit auf zwei Rädern. /Courage, Luck, and Brotherhood on Two Wheels


🌍 Vom Mitfiebern zum selber reisen /From Following to Riding

Während meiner Weltreise sagte mein Bruder Florio oft, wie sehr ihn meine Erlebnisse inspirierten.
Er ist Heilerziehungspfleger, ein Mensch mit großem Herzen, der sich immer für Gerechtigkeit und für die Schwächsten in der Gesellschaft einsetzt.

During my world tour, my brother Florio often told me how much my stories inspired him.
He works as a social care worker – a kind and empathetic person who always stands up for others.

Viele Jahre lang verfolgte er meine Route, sah meine Fotos, las meine Blogeinträge – und irgendwann war klar:
Er wollte seine eigene Fahrradreise machen.

For years, he followed my route, looked at my photos, read every blog post – and eventually it became clear:
He wanted to go on his own bicycle journey.


Ein Ziel mit Herz /A Goal from the Heart

Florio hatte noch nie die Familie von Maury in Nicaragua getroffen, wollte sie aber unbedingt kennenlernen.
Und so fasste er einen mutigen Plan:
Er wollte mit dem Fahrrad von Deutschland nach Nicaragua reisen.

Florio had never met Maury’s family in Nicaragua, but he wanted to.
So he came up with a bold idea:
He would cycle from Germany to Nicaragua.

Im Mai 2024 startete er – voll motiviert, neugierig und mit einer Portion Abenteuerlust.
Schon bald erlebte er die gleiche Mischung aus Freiheit, Erschöpfung, Euphorie und Begegnungen, die auch meine Reise geprägt hatte.

In May 2024, he set off – full of energy, curiosity, and adventure spirit.
Soon he experienced that familiar mix of freedom, exhaustion, joy, and encounters that had once shaped my own journey.


💥 Ein schwerer Unfall / A Serious Accident

Im Frühsommer 2025 kam der Schock: Florio wurde von einem Auto erfasst.
Er hatte großes Glück, den Unfall überhaupt zu überleben.
Sein Fahrrad war völlig zerstört, ein Großteil seiner Ausrüstung unbrauchbar – und er musste operiert werden.

In early summer 2025, tragedy struck: Florio was hit by a car.
He was lucky to survive.
His bike was destroyed, most of his gear gone, and he needed surgery.

Diese Nachricht traf mich tief und voller Sorge.
Doch Florio gab nicht auf.

The news hit me hard. I was was deeply worried.
Still, Florio refused to give up.

Zwei Monate später, nach seiner Genesung, stand er wieder auf dem Rad – mit einem neuen Fahrrad, neuen Kräften und ungebrochener Entschlossenheit.

Two months later, after recovering, he got back on his bike — with a new setup and renewed determination.


💪 Durchhalten, Vertrauen, Weitermachen /Perseverance and Trust to continue

Ich bewundere seinen Mut und seine Willenskraft.
Er hat gelernt, dass Rückschläge Teil jeder Reise sind – auf einer großen Reise wie im Leben. im wörtlichen wie im übertragenen Sinn.

I admire his courage and resilience.
He’s learned what every long-term traveler eventually understands:
setbacks are part of the journey — both on the road and in life.

Natürlich mache ich mir Sorgen um ihn. Aber ich weiß auch:
Das, was er da erlebt, kann ihm niemand mehr nehmen.
Diese Begegnungen, diese Herausforderungen – sie verändern einen für immer.

Of course, I worry about him. But I also know:
What he’s living now, no one can take away.
The experiences, the people, the challenges — they change you forever.

Wie ich damals, machte auch Florio die Erfahrung, dass die Welt im Kern freundlich ist.
Dass Menschen einem weiterhelfen – selbst, wenn man sich kaum verständigen kann.

Just like I did years ago, Florio is discovering that the world is, at its core, kind.
That people help you— even when they barely speak the same language.


✨ Inspiration

Was mich besonders freut:
Immer wieder schreiben mir Menschen, dass meine Reise sie inspiriert hat, selbst loszufahren oder eigene Abenteuer zu wagen.
Aber wenn es der eigene Bruder ist, der diesen Weg geht – dann ist das etwas ganz Besonderes.

What makes me especially happy:
Every now and then, people write to me saying that my journey inspired them to start their own adventure.
But when it’s your own brother who follows that call — that’s truly something special.

Ich bin stolz auf Florio, dankbar, dass er wieder gesund ist, und gespannt, was er noch alles erleben wird.

I’m proud of Florio, grateful that he’s safe, and excited to see where his path will lead him next.

Wenn ihr seine Reise verfolgen wollt, schaut gerne auf seinem Blog vorbei:
/If you’d like to follow his journey, you can find it here:
👉
https://freedomofmovement.me/


➡️ Im nächsten Blog:
Vom Reisen zum Austausch – Ruanda und Uganda🌍🤝

➡️ Next Blog:
From Travel to Exchange – Ruanda and Uganda
🌍🤝

🌍 Blog 369 – Freundschaften, die bleiben /Friendships That Stay With You

Wie Begegnungen auf meiner Reise zu Freundschaften fürs Leben wurden. /How Travel Encounters Turned into Lifelong Friendships


💫 Freundschaften, die die Zeit überdauern 💫 Friendships That Stand the Test of Time

Eine meiner größten Erkenntnisse nach meiner Fahrradweltreise ist:
Wahre Freundschaften kennen keine Grenzen.

One of the greatest lessons from my world cycling trip is that true friendship knows no borders.

Menschen, die ich auf der Straße, zufällig oder durch andere kennengelernt habe, sind heute ein fester Teil meines Lebens.
Diese Freundschaften sind weit mehr als schöne Erinnerungen – sie sind echte Verbindungen, die zeigen, dass Vertrauen, Gastfreundschaft und Offenheit überall auf der Welt existieren.

People I met on the road — often by chance — have become part of my life.
These friendships are not just memories; they are living connections that remind me how kindness and hospitality exist everywhere in the world.


Giovanni – mein „kolumbianischer Vater“ /Giovanni – My “Colombian Father”

2019, während meiner Reise durch Kolumbien, suchte ich eigentlich nur ein Hostel.
Doch dann traf ich Giovanni, der gerade eine kleine Pension baute.
Er lud mich ein, auf seiner Baustelle zu zelten – und so begann eine Freundschaft, die bis heute anhält.Blog 323 – Von ‘nasskalt’ bis mitten in die Karibik / Going From Chilly and Damp to the Middle of the Caribbean

In 2019, while traveling through Colombia, I was simply looking for a hostel.
Instead, I met Giovanni, who was building a small guesthouse.
He invited me to pitch my tent on his construction site — and that was the start of a lifelong friendship.

Giovanni zeigte mir die Umgebung, stellte mich seiner Familie vor und schenkte mir schließlich seine alte Marine-Mütze aus seiner Zeit bei der kolumbianischen Marine – eine Geste, die mich tief berührt hat.

Giovanni showed me around, introduced me to his family, and eventually gave me his old Navy cap from his service days — an incredible gesture of trust and friendship.

Seitdem nennen wir uns „Familie“.
2021 besuchten Maury, meine Eltern und ich ihn während unserer Flitterwochen.
Zwei Jahre später, 2024, reiste ich erneut nach Kolumbien und Panama – und traf Giovanni und seine Frau Diana wieder.

Since then, we’ve called each other family.
In 2021, Maury, my parents, and I visited him during our honeymoon.
Two years later, in 2024, I returned to Colombia and Panama and met Giovanni and his wife Diana again.

Giovanni wit his wife Diana my parents and some frinds

Sie überraschten mich am Flughafen:
Ich wollte von Bogotá nach Montería fliegen, hatte ihnen nur meine Flugdaten geschickt – und plötzlich saßen sie neben mir im Flugzeug!
Eine der schönsten Überraschungen meines Lebens.

They surprised me at the airport:
I had sent them my flight details from Bogotá to Montería — and suddenly, they were sitting right next to me on the plane!
One of the most beautiful surprises of my life.


Marisol und ihre Familie – meine „panamaische Familie“ /Marisol and Her Family – My “Panamanian Family”

Im Februar 2019 radelte ich an einem heißen Nachmittag durch Santiago de Veraguas in Panama.
Plötzlich winkte mich eine Frau vom Straßenrand heran – Marisol.
Ich hielt an, und noch am selben Tag lud sie mich zum Essen ein und bot mir eine Übernachtung an.

In February 2019, I was cycling through Santiago de Veraguas, Panama, on a hot afternoon when a woman waved me over — Marisol.
I stopped, and that same day she invited me to lunch and to stay overnight.

Ich lernte ihre ganze Familie kennen: ihren Mann Gonzalo, ihre Kinder, Schwestern, Eltern – alle hießen mich willkommen, als wäre ich ein Teil von ihnen.Blog 328 – Immer wieder Santiago / Santiago All Over Again

I met her husband Gonzalo, their children, her sisters, and parents — they all welcomed me as one of their own.
I stayed for two weeks, longer than planned, and formed a deep bond with them.

Ich blieb zwei Wochen dort und fand Freunde fürs Leben.

2022 besuchten meine Eltern Marisol und ihre Familie ebenfalls – und 2024 konnte ich sie selbst erneut besuchen.
Die Kinder sind inzwischen groß geworden, aber die Herzlichkeit ist geblieben.

In 2022, my parents visited them too, and in 2024 I returned myself.
The children had grown, but the warmth was the same.

2025 reisten Maury und ich gemeinsam nach Mittelamerika und besuchten auch Panama – endlich konnte sie meine „panamaische Familie“ kennenlernen.

In 2025, Maury and I traveled together through Central America and visited Panama — she finally got to meet my “Panamanian family.”


Elaheh – vom Iran nach Norwegen /Elaheh – From Iran to Norway

2019 lernte ich über die Radreise-Plattform Warmshowers die Iranerin Elaheh kennen.
Sie lebte damals mit ihrer Familie in Isfahan und arbeitete als Englischlehrerin.Blog 126 – Sprachlos vor Gastfreundschaft, Vielen Dank allen !تشکر / Speechless with Hospitality Many Thanks to You All!

In 2019, through the cycling hospitality network Warmshowers, I met Elaheh in Isfahan, Iran.
She lived with her family and worked as an English teacher.

Ich besuchte ihre Sprachschule, nahm an Familienfeiern teil und durfte mit einer Frauen-Bergsteigergruppe einen Berg besteigen – etwas, das im Iran Mut und Selbstvertrauen erfordert.

She showed me her language school, invited me to family gatherings, and even took me hiking with a women’s mountaineering group — something that requires real courage in Iran.

Wir hielten über die Jahre sporadisch Kontakt, bis sie mir 2023 schrieb, dass sie inzwischen Professorin in Norwegen geworden war.

We stayed in touch occasionally, and in 2023 she told me she had become a university professor in Norway.

Im Frühjahr 2024 besuchte sie uns in Deutschland – und im Mai reisten Maury und ich zu einem Gegenbesuch nach Norwegen.

In 2024, she visited us in Germany, and in May, Maury and I traveled to Norway to visit her in return.


Ein Jahr später kamen sogar ihre Eltern und Schwester nach Deutschland – ihre erste Auslandsreise überhaupt.

A year later, her parents and sister visited Germany — their first-ever trip abroad.

Ich konnte kaum glauben, dass wir uns 2019 im Iran begegnet waren – und uns nun in Deutschland wieder treffen können.

It was incredible to realize that we had first met in Iran — and now, years later, we were reunited in Germany.


Masud – Freundschaft über acht Jahre /Masud – Friendship Across Eight Years

Masud traf ich 2017 in einem kleinen Dorf in Indien, nahe der Grenze zu Bangladesch.
Ich radelte Richtung Norden, als er plötzlich mit seinem Roller neben mir fuhr und mich einlud, bei seiner Familie zu übernachten.

I met Masud in 2017 in a small Indian village near the border with Bangladesh.
He rode up next to me on his scooter, we started talking, and he invited me to stay with his family.

Masud ist Englischlehrer, und wir verstanden uns sofort.
Seitdem stehen wir in Kontakt – acht Jahre lang.

Masud is an English teacher, and we instantly connected.
We’ve been in touch ever since — eight years now.

2020, während der Corona-Pandemie, organisierten wir gemeinsam eine Hilfsaktion für arme Dorfbewohner.
Mit Spendengeldern kauften wir Lebensmittel und verteilten sie an Bedürftige.

During the 2020 pandemic, we organized a community relief project, raising donations to provide food for struggling families.

Masud ist inzwischen verheiratet und hat zwei Kinder.
Im Dezember 2025 planen Maury und ich, ihn in Indien zu besuchen – ein Treffen, auf das ich mich riesig freue.

Masud is now married with two children.
In December 2025, Maury and I plan to visit him in India — something I’ve looked forward to for years.


Brett – Freundschaft aus Australien /Brett – A Friendship from Australia

Brett war der Geschäftsführer der Wasserfabrik, in der ich 2017 in Darwin (Australien) arbeitete.
Wir lernten uns durch gemeinsame Freunde kennen, und er bot mir sofort einen Job an.

Brett was the CEO of the bottled water factory where I worked in Darwin, Australia in 2017.
We met through mutual friends, and he immediately offered me a job.

Brett und ich wurden schnell enge Freunden – wir lebten sogar zeitweise in derselben WG.
Ich trug seine Nummer in Australien als Notfallkontakt im Handy – so sehr konnte ich mich auf ihn verlassen.Blog 259 – Zurück in Darwin / Back in Darwin

Brett and I soon became close friends — we even shared a flat for a while.
In Australia, I had listed him as my emergency contact, that’s how much I trusted him.

Im November 2024 kam Brett mit seiner Familie nach Europa – und besuchte uns in Deutschland.
Ein unvergesslicher Moment, alte Zeiten wieder aufleben zu lassen.

In November 2024, Brett and his family visited us in Germany during their European trip — a wonderful reunion after many years.

Eslam – Freundschaft aus der Wüste /Eslam – Friendship from the Desert

Ich lernte Eslam zum ersten Mal während meines Arbeitseinsatzes 2016/17 in der Wüste des Omans kennen, wo ich für kurze Zeit als Elektriker arbeitete.
Eslam war dort als Ingenieur bei derselben Firma tätig. Schon nach kurzer Zeit fiel mir auf, dass er sowohl das Vertrauen der Arbeiter und Gastarbeiter als auch das der Arbeitgeber genoss – eine seltene Balance, die zeigt wie Respektiert und Angesehen Eslam ist.

I first met Eslam during my work assignment in Oman in 2016/17, where I spent a short period working as an electrician in the desert.
Eslam worked for the same company as an engineer.
From the very beginning, I noticed how he earned the trust of both the workers and the management — a rare balance that showed his respect, empathy, and integrity.
Blog 143 – Ein Job in der lebensfeindlichen Wüste / A Job in the Hostile Desert

Wir freundeten uns schnell an und blieben auch nach meiner Rückkehr in Kontakt.
So wusste ich, dass er später in seine Heimat Ägypten zurückgekehrt war.

We became friends quickly and stayed in touch after I left Oman.
So I knew that he had eventually returned to his home country, Egypt.

Als Maury und ich 2022/23 Ägypten bereisten, war klar: Wir mussten Eslam unbedingt wiedersehen.
In Kairo trafen wir ihn und seine Frau Aml – und die Wiedersehensfreude war groß.

When Maury and I visited Egypt in 2022/23, meeting Eslam again was a must.
We reunited in Cairo, where he introduced us to his wife Aml, and it was wonderful to see him after so many years.

Eslam lud uns zu einer Bootstour auf dem Nil ein, die wunderschön begann, aber ein kleines Abenteuer bereithielt:
Plötzlich fiel die Kühlung des Motors aus, und der Kapitän musste den Antrieb sofort abstellen.
So trieben wir führerlos mitten auf dem Nil, bis uns ein kleines Fischerboot zurück in die Fahrrinne zog.
Kurz darauf schleppte uns eine Yacht freundlicherweise bis ans Ufer.

Eslam invited us on a boat trip along the Nile, which started beautifully but turned into a little adventure:
the boat’s cooling system suddenly failed, forcing the captain to shut down the engine.
We drifted aimlessly down the Nile until a small fishing boat towed us back to the main channel, where later a kind yacht crew pulled us safely to shore.

Trotz – oder vielleicht gerade wegen – dieses unerwarteten Abenteuers war es ein unvergesslicher Tag.
Es war wunderbar, Eslam nach all den Jahren wiederzusehen und seine Frau Aml kennenzulernen.

It was an unforgettable day — not just because of the mishap, but because of the joy of reconnecting with Eslam and meeting Aml for the first time


🚴‍♂️ Gastfreundschaft weitergeben / Giving Back the Hospitality

Während meiner Weltreise wurde ich unzählige Male von Menschen aufgenommen, die mir völlig fremd waren.
Diese Erfahrung hat mich geprägt.

During my cycling journey, countless people opened their homes and hearts to me.
That generosity changed me forever.

Heute, wo ich sesshafter bin, möchte ich diese Gastfreundschaft weitergeben – über die Plattform Warmshowers, über die ich selbst so viele Freunde gefunden habe.

Now that I’m more settled, I want to give back — through Warmshowers, the same platform where many of my friendships began.

Immer wieder beherbergen Maury und ich Radreisende aus aller Welt.
Es ist schön, die Geschichten anderer zu hören und zu wissen: Die Kette der Gastfreundschaft geht weiter.

Maury and I often host touring cyclists at our home.
Listening to their stories reminds me that the spirit of the road — of kindness and connection — never ends.


➡️ Im nächsten Blog:
„Menschen, die uns verlassen haben – Erinnerungen an Wegbegleiter, die bleiben.“ 🌹

➡️ Next Blog:
“People We’ve Lost – Remembering the Companions Who Shaped Our Journey.” 🌹

🌹 Blog 370– Menschen, die uns verlassen haben/People who have left us

Erinnerungen an Wegbegleiter, die bleiben – im Herzen und in Gedanken. /Memories of companions who remain – in our hearts and minds.


💫 Ein stiller Rückblick /A Quiet Reflection

Seit meiner Rückkehr von der Weltreise sind einige Jahre vergangen.
In dieser Zeit durfte ich viele neue Freundschaften schließen, doch leider musste ich mich auch von besonderen Menschen verabschieden, die mich auf meinem Weg begleitet und inspiriert haben.

Since returning from my world cycling trip, several years have passed.
In that time, I’ve been lucky to build new friendships — but sadly, I’ve also had to say goodbye to people who deeply influenced my life.

Dieser Beitrag ist all jenen gewidmet, die nicht mehr unter uns sind – aber deren Geschichten und Wärme in mir weiterleben.

This post is dedicated to those who are no longer here, but whose stories and kindness live on within me.


👴 Opa Günter /Grandpa Günter

Mein Opa Günter war immer sehr interessiert an meiner Reise.
Er verfolgte jeden Blogeintrag, fragte regelmäßig nach meinen Plänen und freute sich ehrlich über jedes meiner Abenteuer.

My grandfather Günter was always fascinated by my journey.
He read every blog entry, asked about my route, and was genuinely happy for every adventure I experienced.

Er sagte oft, wie froh er sei, dass man heute die Welt friedlich entdecken kann – im Gegensatz zu seiner eigenen Jugend, die von Krieg, Armut und Entbehrung geprägt war.
Er starb 2020 an Krebs.

He often said how grateful he was that people today can explore the world peacefully — unlike his youth, shaped by war and hardship.
He passed away from cancer in 2020.


👓 Josi Kleis

Josi war ein treuer Leser meines Blogs – obwohl er selbst gesundheitlich stark eingeschränkt war.
Er schrieb mir Nachrichten und motivierte mich so weiterzumachen.

Josi was one of my most loyal blog readers, even though his own health limited him greatly.
He wrote to me regularly, encouraging me to keep going.


🛏️ Ernst Otto

Ernst Otto, ein Freund meines Opas, war über viele Jahre bettlägerig.
Trotzdem fieberte er bei jeder Etappe meiner Reise mit.
Er verfolgte meine Route auf der Karte, las jedes Update und sagte einmal:

Ernst Otto, a friend of my grandfather’s, had been bedridden for many years.
Yet, he followed my entire trip with excitement, tracing my route on maps and reading every update.
He once told me:

„Wenn ich schon nicht mehr reisen kann, dann reise ich eben in Gedanken mit dir.“ /“If I can’t travel myself anymore, I’ll travel through your eyes.”

Diese Worte werde ich nie vergessen. /Those words have stayed with me ever since.


📖 Ursula Rogers

Ursula war meine frühere Englisch-Nachhilfelehrerin – und sie hat alle meine bisherigen Blogartikel ins Englische übersetzt.
Sie liebte Sprachen, Menschen und ihren Garten.
Ohne sie wäre mein Blog nie zweisprachig geworden.
Ihre Hingabe und Geduld haben mich immer tief beeindruckt.

Ursula was my former English tutor — and she translated all my previous blog posts into English.
She loved languages, people, and her garden.
Without her, this blog would never have become bilingual.
Her patience and passion left a deep impression on me.


🕯️ Oma Vilma /Grandma Vilma

Oma Vilma, Maurys Großmutter, war eine ihrer wichtigsten Bezugspersonen in der Kindheit.
Sie war eine starke, warmherzige Frau mit viel Lebensweisheit.
Ihr Tod war ein schwerer Verlust für Maury – besonders, weil sie in Deutschland war und nicht nach Nicaragua reisen konnte, um sich zu verabschieden.

Grandma Vilma, Maury’s grandmother, was one of the most important figures in her childhood.
A strong, kind, and wise woman.
Her passing was a painful loss for Maury — made harder by the fact that she couldn’t travel to Nicaragua to say goodbye.


🍁 Brad Rouse

Brad lernte ich in Kolumbien kennen.
Er kam aus Kanada und lud mich ein, ihn später in Calgary zu besuchen.
Leider konnte ich diese Einladung nie wahrnehmen – und einige Jahre später erreichte mich die Nachricht, dass Brad verstorben war.

I met Brad in Colombia — a friendly traveler from Canada who invited me to visit him in Calgary someday.
Unfortunately, I never made that trip.
Years later, I learned that he had passed away.


🏮 Travis McCurdy

Travis, ein Reisender aus den USA, traf ich 2018 in Kuala Lumpur.
Gemeinsam besuchten wir ein chinesisches Tempelfest.
Er war voller Energie und Lebensfreude – jemand, der jeden Tag bewusst lebte.Blog 208 – Kuala Lumpur ein Schmelztiegel / Kuala Lumpur, a Melting Pot

Travis, a fellow traveler I met in Kuala Lumpur, Malaysia, was full of energy and laughter.
We went together to a Chinese temple festival.
He lived every day as if it truly mattered — and that spirit remains unforgettable.


🌄 Dankbarkeit /Gratitude

Jeder dieser Menschen hat auf seine Weise mein Leben bereichert.
Ihre Geschichten, ihr Mut, ihr Humor – all das bleibt Teil meiner eigenen Geschichte.

Ich denke oft daran, wie kostbar Zeit ist – und wie wichtig es ist, das Leben bewusst zu leben, Menschen zuzuhören, und das, was bleibt, weiterzutragen.

Each of these people added something to my life — joy, wisdom, perspective, and friendship.
Their memories remind me how precious time is and how important it is to live consciously, to listen deeply, and to carry forward what truly matters.


➡️ Im nächsten Blog:
„Mein Bruder auf seiner eigenen Fahrradreise – Mut, Glück und Brüderlichkeit auf zwei Rädern.“ 🚴‍♂️💛

➡️ Next Blog:
“My Brother’s Bicycle Journey – Courage, Luck, and Brotherhood on Two Wheels.” 🚴‍♂️💛

Blog 368– Ein neues Leben in Deutschland /A new life in germany

Ankommen, kämpfen, durchhalten – wie Maury und ich uns ein gemeinsames Leben in Deutschland aufbauen. /Arriving, struggling, persevering – how Maury and I are building a life together in Germany.


🏠 Der Anfang: Zurück ins Kinderzimmer /Starting Over: Back to My Childhood Room

Nach unserer Hochzeit in Nicaragua und den Flitterwochen in Kolumbien begann für uns ein ganz neues Kapitel: unser gemeinsames Leben in Deutschland.
Zunächst zogen wir bei meinen Eltern ein – in mein altes Kinderzimmer. Kein besonders glamouröser Start, aber für uns war das Wichtigste: wir waren endlich zusammen.

After our wedding in Nicaragua and our honeymoon in Colombia, a completely new chapter began: our shared life in Germany.
At first, we moved in with my parents – into my old childhood room. Not exactly glamorous, but what mattered most was: we were finally together.

Wir beantragten beim Standesamt die Anerkennung unserer Ehe, und nach einigen Wochen war es offiziell: Unsere in Nicaragua geschlossene Ehe wurde in Deutschland anerkannt.

We filed for official recognition of our marriage at the registry office, and after a few weeks it was done: our Nicaraguan marriage was now legally recognized in Germany.

Doch vom Visum meiner Frau Maury hörten wir monatelang nichts.
Nach drei Monaten erfuhren wir schließlich, dass ihre Unterlagen bei der Ausländerbehörde Bitburg lagen – genau jener Behörde, mit der wir zuvor schon unangenehme Erfahrungen gemacht hatten.

But months passed without any news about Maury’s visa.
Eventually, we learned that her documents were sitting at the Bitburg immigration office – the same one where we’d had such unpleasant experiences before.

Über unsere Kontaktperson beim Roten Kreuz wagten wir eine Nachfrage – und tatsächlich kam die erste positive Nachricht: Maury musste nicht zurück nach Nicaragua, um ihr Visum abzuholen.
Die Behörde machte eine Ausnahme – und so konnten wir direkt eine Aufenthaltserlaubnis beantragen.

Through our contact at the Red Cross, we followed up – and surprisingly, we got good news:
Maury didn’t have to return to Nicaragua to pick up her visa.
They made an exception, allowing us to apply directly for her residence permit.


💬 Zwischen Freude und Alltag /Between Relief and Reality

Die Erleichterung war riesig, aber bald kamen auch die alltäglichen Herausforderungen.
Für Maury war es nicht leicht, in Deutschland Fuß zu fassen:
Keine Freundinnen, keine Familie, keine Arbeit – und eine neue Sprache.

We were relieved, but soon real life set in.
For Maury, adjusting to life in Germany wasn’t easy:
no friends, no family, no job – and a completely new language.

Ihre Arbeit als Lehrerin und Schulleiterin einer Online-Schule einer US-amerikanischen NGO, die in Nicaragua tätig ist, konnte sie nicht fortsetzen, da ihr Vertrag in Deutschland rechtlich nicht gültig war.
Also entschieden wir gemeinsam: zuerst Deutsch lernen, dann den Führerschein machen und anschließend nach passenden Lehrstellen suchen.

Her position as a teacher and principal of an online school run by a US-based NGO operating in Nicaragua could not be continued, as her contract was not legally valid in Germany.
So we decided together: first learn German, then get a driver’s license, and afterwards look for suitable teaching positions.


📚 Lernen, Warten, Durchhalten /Learning, Waiting, Persevering

Ein ganzes Jahr lang widmete sich Maury dem Deutschlernen.
Sie machte den Führerschein, beantragte die Anerkennung ihrer Studienabschlüsse und arbeitete sich durch unzählige Formulare.

For an entire year, Maury focused on studying German.
She earned her driver’s license, began the recognition process for her degrees, and learned to navigate the endless bureaucracy.

Nach diesem intensiven Jahr war sie bereit, wieder zu arbeiten – und gründete zunächst ihre eigene Online-Sprachschule, mit Fokus auf Business English. Parallel bewarb sie sich an verschiedenen Schulen in NRW und Rheinland-Pfalz.
Und tatsächlich: In einer Realschule in Schleiden (NRW) bekam sie eine Zusage.
Nach einem Einführungsjahr sollte sogar eine feste Anstellung möglich sein.

After that intense year, she was ready to work again.
She started her own online language school, focusing on Business English, while applying to schools across North Rhine-Westphalia and Rhineland-Palatinate.
And finally, success: she got a teaching position at a secondary school in Schleiden (NRW).
After one year of introduction, a permanent position was even possible.


🚗 Von null auf zwei Autos /From Zero to Two Cars

Da Schleiden weit von Prüm entfernt ist und wir kein Auto hatten, war klar: Wir mussten mobil werden.
Wir kauften zunächst ein kleines Gebrauchtwagen – aber wenige Monate später fiel er aus.
Da Maury dringend ein zuverlässiges Auto für ihren Job brauchte, entschieden wir uns schweren Herzens für einen Neuwagen.

Since Schleiden was quite far from our home in Prüm and we had no car, we needed transportation.
We bought a small used car – which broke down just a few months later.
Because Maury urgently needed reliable transport, we decided to buy a new car.

Kurz darauf stellte sich heraus, dass das alte Auto doch reparierbar war – und plötzlich besaßen wir zwei Autos.
Von null auf zwei in wenigen Monaten – aber Hauptsache, Maury konnte ihren Traumjob behalten.

A few weeks later, the old car was unexpectedly repairable – and suddenly we owned two cars.
From zero to two in no time – but at least Maury could keep her beloved job.


🎓 Studium & Karriere /Studies & Career

Parallel zum Unterrichten begann Maury ein Fernstudium:
erst Englisch als Fremdsprache (M.A.), später zusätzlich Pädagogik (M.A.).

While teaching, Maury also began online university studies
first Teaching English as a Foreign Language (M.A.), and later Education (M.A.).

Ihr erster Aufenthaltstitel war auf drei Jahre befristet.
Eigentlich wollte ihre Schule ihr einen unbefristeten Vertrag geben, doch das war rechtlich nicht möglich, solange ihr Aufenthaltstitel befristet war.

Wir beantragten also rechtzeitig die Verlängerung – doch monatelang kam keine Reaktion.
Die Frist lief ab, und erst wenige Tage vor Ablauf wurde ihr Aufenthalt schließlich verlängert.

Her first residence permit was valid for three years.
Her school wanted to offer her a permanent contract, but couldn’t until her residency was extended.

We applied months in advance – but got no response.
Her legal stay was about to expire, and only a few days before the deadline it was finally renewed.

Diese Zeit war extrem nervenaufreibend: schlaflose Nächte, Telefonate, E-Mails, Nachfragen – alles ohne Erfolg.
Erst als wir über ihren Arbeitgeber und schließlich über den Verbandsbürgermeister Druck machten, kam plötzlich Bewegung in die Sache.

The process was exhausting: sleepless nights, endless calls and emails, and no updates.
Only after pressure from her employer and even the mayor, did things suddenly move forward.

Einen Tag später kam der Anruf: /The next day came the call:

„Der unbefristete Aufenthaltstitel ist genehmigt – bitte kommen Sie heute noch vorbei.“ /“The permanent residence permit has been approved – please come today.”

Maury musste mitten im Unterricht alles stehen und liegen lassen, um nach Bitburg zu fahren – aber sie hielt endlich den neuen Titel in der Hand.

Maury left her class mid-lesson and drove straight to Bitburg.
That same afternoon, she held her new permit in her hands.


⚖️ Reflexion: Ein System mit Hürden /Reflections on a Broken System

Diese ganze Erfahrung machte uns beide nachdenklich.
Ich bin dankbar, dass alles letztlich gut ausgegangen ist – aber ich empfinde das System der deutschen Ausländerbehörden als überfordert, bürokratisch und oft respektlos.

Although the outcome was positive, the experience left us deeply frustrated.
Germany’s immigration system often feels overwhelmed, overly bureaucratic, and arbitrary.

Maury begegnete dort mehrfach Vorurteilen und einer Haltung, die eher auf Abschreckung als auf Integration ausgelegt ist.
Wenn Integration gelingen soll, müssen Strukturen geschaffen werden, die Menschen willkommen heißen – nicht einschüchtern.

Maury faced racist attitudes and an environment more focused on deterrence than on integration.
If we truly want integration to succeed, we need systems that welcome people – not ones that wear them down.


Ein neuer Abschnitt /A New Chapter

Parallel zur Aufenthaltserlaubnis beantragte Maury die Einbürgerung.
Sie lebt, arbeitet und zahlt hier Steuern – also möchte sie sich auch politisch einbringen und langfristig als verbeamtete Lehrerin arbeiten.

Alongside her residence permit, Maury applied for German citizenship.
She lives, works, and pays taxes here – and wants to participate politically and work as a tenured teacher.

Im Oktober 2025 konnte sie endlich ihren Antrag abgeben.
Im November 2025 beginnt ihr OBAS (ähnlich wie Referendariat), das zwei Jahre dauern wird.

In October 2025, she was finally able to submit her citizenship application.
Her teacher training (OBAS) begins in November 2025 and will last two years.

Nach all den Jahren voller Kämpfe, Papierkram und Unsicherheit sind wir stolz, wie weit wir gemeinsam gekommen sind.
Ein neues Kapitel hat begonnen – eines, das wir uns hart erarbeitet haben.

After all the struggles, paperwork, and waiting, we’re proud of how far we’ve come.
A new chapter has begun – one we’ve truly earned together.


➡️ Im nächsten Blog:
„Freundschaften, die bleiben – Begegnungen, die mein Leben verändert haben.“ 🌍🤝

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