Blog 279 – Zähneklappernd über die Desert Road / Chattering of Teeth on the Desert Road

Taupo – 23.05.2018

Auf meinem weiteren Weg von Wellington, über die Stadt Taupo, nach Hamilton wurde ich zweimal eingeladen. Dafür war ich sehr dankbar. So hatte ich zunächst ein warmes Bett. /Twice on my way from Wellington via Taupo to Hamilton I got invited which I was very grateful for. So I had a warm bed at least.

Doch konnte ich nicht wissen, was danach für Strapazen auf mich zukommen würden. Rückblickend kann ich sagen: „Es war die Ruhe vor dem Sturm.“/ Yet, I didn’t know about the hardships I was going to face. Now, looking back, I can say, „This was the quiet before the storm.“

Aber zu diesem Zeitpunkt konnte ich mir das noch nicht ausmalen. Die sogenannte ‚Dessert Road‘ lag vor mir. Diese Straße liegt an ihrer höchsten Stelle auf einer Höhe von 1070 m. Laut Wetterbericht sollte es, entgegengesetzt zu den vorherigen Tagen, trocken und recht beständig werden. Also: „Super Vorraussetzungen für diese Berg Etappe,“ dachte ich mir.

I wasn’t able to picture anything like that at the time. I was heading for the so called desert road. This road is 1070 meters at its highest point. According to the weather forecast it was going to be dry, opposed to the previous days, and stay that way. „Perfect conditions for this mountain stage,“ so I thought.

Der Tag begann auch sehr schön sonnig, trotzdem hatte ich die ganze Zeit mit starkem Gegenwind zu kämpfen und kam nicht so schnell wie geplant voran. Die Landschaft wurde mit zunehmender Höhe karger, es wurde spürbar kälter und noch stürmischer. Am frühen Nachmittag setzte ein kräftiger Dauerregen ein.

The day began sunny, still I had to fight strong headwinds all the time and I didn’t make it as fast as I had planned. The landscape got more barren with increasing height, it got much colder and even stormier. In the early afternoon a heavy constant rain set in.

2018-05-15, Filbo Neuseeland,Reg. Parikawa,131954_IMG_0710

In dieser Situation mein Zelt aufzubauen war unmöglich, erstens war es dafür viel zu stürmisch  und zweitens befand sich rechts und links der Straße ein gigantisch großes militärisches Trainingsgelände. Mir blieb nichts anderes übrig als weiter zu fahren.

It was impossible to put up a tent in this situation, it was much too stormy and then there was a gigantic military training ground on both sides of the road. So I had no choice but to carry on.

Es wurde dunkel, der kalte Regen hatte es inzwischen geschafft, dass ich durch und durch nass war. Der starke Wind tat sein übriges. Ich kühlte mehr und mehr aus. Die Straße war zudem voller Schwerlastverkehr, die LKWs schossen in der Dunkelheit nur so an mir vorbei. Es war alles andere als ungefährlich. Im Gegenteil, langsam wurde es richtig kritisch!

It got dark, I was sopping wet because of the cold rain. The strong wind didn’t really help, either. I got colder and colder. There was a lot of heavy-duty traffic on the road, too, trucks shooting past me at high speed – it was anything but safe. On the contrary, things got out of hand now!

Nach einer kleinen Abfahrt hatte ich endlich das Militärgebiet hinter mir gelassen, aber von Zivilisation immer noch keine Spur. Kurz vor einem Gegenanstieg fand ich dann endlich eine Stelle für mein Zelt. Auch der Wind hatte etwas nachgelassen. Ich hatte keine Kraft mehr um weiter zu fahren.

Finally I got past the military grounds after a short descent, but no sign of civilization so far. Just prior to a further counterincrease I found a place to camp. The wind had slowed down and I didn’t have the strength to go on cycling any further.

In der Dunkelheit und strömenden Regen schaffte ich es, mit zitternden Händen und tauben Fingern, in mehreren Anläufen gerade noch so mein Zelt aufzubauen. Das Zelt stand zwar krumm und schief, aber zum Glück hielt es trotz dem unkonventionellen Notaufbau dem Regen stand. Auch der Schlafsack war trocken geblieben. So schnell es eben ging, zog ich mir die klitschnasse Kleidung aus, verkroch mich in den Schlafsack und zitterte mich warm. Nachdem ich nach langem Zähneklappern, halbwegs wieder Normaltemperatur erreicht hatte, meldete sich mein Magen und ich kochte mir im Vorzelt eine riesige Portion Nudeln.

Hands shaking and fingers numb, I barely managed to put up my tent, making several attempts to do so. My tent stood crookedly and skew, but it withstood the rain in spite of the funky makeshift structure. My sleeping bag had also stayed dry. I got out of my wet clothing and moved into my sleeping bag as fast as I could, shivering and attempting to get warm. After a long period of chattering teeth I finally reached my normal temperature, then my stomach wanted some food. So I cooked myself a huge amount of noodles in my awning.

Die halbe Nacht regnete  es mit unverminderter Stärke weiter. Zum Glück hielt mein Zelt dicht./ The rain went on pouring all night. Fortunately, my tent stayed dry.

Am nächsten Morgen hörte es auf zu regnen. So viel es mir etwas leichter aus meinem warmen Schlafsack in die noch immer nasse Regenkleidung zu schlüpfen. Danach packte ich leicht fluchend das klatschnasse Zelt zusammen, zog mir meine ebenfalls klitschnassen Handschuhe an, und fuhr los. / The next morning the rain stopped. So I found it a little easier to get out of my warm sleeping bag and into my rainwear which was still wet. Then I wrapped up my sopping wet tent, cursing, got into my sopping wet gloves and moved off.

Der Fahrtwind und die Nässe sorgten dafür, dass meine Hände sogleich wieder taub wurden. So machte ich einen Stopp an einem Naturkundemuseum bei dem es ein ziemlich dichtes, regenwaldähnliches Gebiet gab./  Due to the headwind and the wetness my hands began to get numb soon again. So I stopped at a museum of natural history near some sort of a rainforest, deep and dense.

Lange hielt ich mich jedoch nicht auf. Ich hatte keine Augen für die Naturschönheiten hier, denn ich wollte endlich ins Warme und deshalb schnellstmöglich weiter zur nächsten Stadt. / I didn’t stay long, though, as I didn’t have an eye for natural beauties, I only wanted to get warm and to the nearest possible town.

In der Stadt Taupo am gleichnamigen See, fand ich schließlich ein bezahlbares und vor allem ‚beheiztes‘ Hostel, indem ich mich von meinen Strapazen erholen konnte. / In the town called Taupo I found a hostel which wasn’t too expensive and most important: heated, where I was able to recover from my hardships.

2018-05-24, Filbo Neuseeland, Taupo,080008_IMG_0773

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